Fundgrube alte Bücher - Antiquar: "Man findet nie nichts"
Wer ein gebrauchtes Buch in die Finger bekommt, entdeckt darin manchmal etwas Ungewöhnliches - eine Widmung, ein getrocknetes Efeublatt, einen Spickzettel. Oder gar einen echten Picasso, erzählt ein Antiquar.
Berlin (KNA) Liebesbrief, Geld, Picasso-Zeichnung: Alte Bücher sind Fundgruben für alles Mögliche. "In alten Büchern finden wir nie nichts", sagte Markus Brandis, Vorsitzender des Verbandes Deutscher Antiquare, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) mit Blick auf den Welttag des Buches am 23. April.
"Bücher haben ihre Schicksale. Die sind von Mann zu Mann, von Frau zu Frau weitergewandert und haben ihre Besitzer irgendwie immer in sich aufgenommen." Der Antiquar und Auktionator handelt mit Büchern, die teilweise 500 Jahre alt sind. "Es ist immer ein Herzklopfen dabei, man ist immer Entdecker", so der 58-Jährige.
Jeder Mensch habe beim Lesen seine Spuren hinterlassen: entweder durch Dinge, die zwischen die Seiten gelegt und dann vergessen wurden. Oder durch Besitzvermerke, Stempel, Einträge, Anmerkungen, Widmungen oder Zeichnungen, die Aufschluss über den Besitzer geben. "Zeig' mir deine Bibliothek, und ich zeig' dir, was für ein Mensch du bist", zitiert der Antiquar die Autorin Marie-Luise Ebner-Eschenbach.
Auch getrocknete Pflanzen finden sich immer wieder in alten Büchern: vom Efeu- bis zum Ginkgoblatt. "Teilweise sind die Pflanzen so selten, dass sich Pflanzensamenbanken dafür interessieren, weil es Pflanzen sind, die eigentlich schon ausgestorben sind", so der Experte.
Manche Bucheinträge könnten auch sehr wertvoll sein. "Ich hatte mal ein Buch über Picasso von 1952, ein ganz billiges Paperback, das 50 Cent kosten würde, wenn man es jetzt anbieten würde. Aber vorne hatte ein gewisser Pablo Picasso ein kleines Clowngesicht hineingemalt. Das Buch haben wir dann für 22.000 Euro verkauft", erzählt Brandis.
Auch ein prominenter Vorbesitzer steigere den Wert. "Früher waren die Leute, die sich Bücher leisten konnten, die überhaupt lesen konnten, meistens bedeutend - so dass man sie heute noch nachweisen kann, als bedeutende Figuren der Renaissance oder des Barock oder auch des 19. Jahrhunderts. Und bei einem prominenten Vorbesitzer sind Bücher mit Widmung immer mehr wert als ohne", erklärte Brandis.
Ein historischer Fund sei für ihn stets ein Heureka-Moment: "Ich hab's herausgekriegt. Das ist die Trüffelschweinnase des Antiquars, die ist unverzichtbar. Sie schnüffelt den historischen Kontext heraus."
