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Mit neuer Technik: Forscher wollen antike Weltkarte entschlüsseln

Fast sieben Meter lang und viele Jahrhunderte alt ist die "Tabula Peutingeriana". Wissenschaftler wollen diese außergewöhnliche Weltkarte nun genauer in Augenschein nehmen. Dabei haben sie einen speziellen Fokus.

Die "Tabula Peutingeriana" gilt als einzige überlieferte großformatige Weltkarte aus der Antike. Doch nicht alles, was auf dem fast sieben Meter langen Werk einst verzeichnet wurde, ist heute noch erkennbar. Forscher der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) wollen nun Licht ins Dunkel der Geschichte bringen, wie die Uni am Dienstag mitteilte.

Die "Tabula Peutingeriana" ist laut KU ein einzigartiges Zeugnis nicht nur der Kartographiegeschichte, sondern auch für die Raumwahrnehmung der Antike. Sie zeigt demnach die damals bekannte Welt und das römische Straßennetz von Iberien bis Indien. Seit 2007 ist sie Teil des Unesco-Weltdokumentenerbes. Das den Forschern vorliegende Exemplar wird in Wien verwahrt und ist eine um 1200 entstandene Kopie einer ursprünglich hellenistischen Karte, deren letzte antike Überarbeitung etwa aus dem Jahr 435 stammt.

Seit Jahren erforsche der KU-Lehrstuhl für Alte Geschichte das außergewöhnliche Dokument, so die Uni. Das Team um Michael Rathmann, Philipp Köhner und Adrian Karmann nutzt die Multispektralanalyse (Multi-Spectral-Imaging, MSI), um unterschiedliche Materialschichten und Farbreste sichtbar zu machen. Denn an vielen Stellen sei die Karte verblasst oder beschädigt und so nur schwer lesbar. Jetzt könne man Details sichtbar machen, die bislang verborgen geblieben seien, etwa verschwundene Schriftzeichen und übermalte Zeichnungen.

Besonders interessiert sind die Forscher an den Wasserflächen, wie es hieß: "Aufgrund der Verwendung von grüner Kupferpigmentfarbe sind die Beschriftungen von Seen und Meeren mit der Zeit durch chemische Reaktionen unlesbar geworden." Die moderne Kameratechnik solle nun Aufschluss geben über das maritime Wissen der Antike. Zudem plane man, hunderte unsichere Lesungen von Ortsnamen und kartographischen Einträgen zu prüfen. Das Forschungsprojekt läuft in Kooperation mit der Universität Hamburg und der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien.