Expertin: Soziale Medien eignen sich nicht zum Entspannen
Zum Relaxen den Insta-Feed checken? Nach Worten einer Psychoanalytikerin ist das keine gute Idee. Die Sozialen Netzwerke seien nicht fürs Abschalten gemacht - schon gar nicht ständig und dauerhaft.
Soltau (KNA) Endlich Pause - und schon wird gewischt und gescrollt: Dabei eignen sich digitale Medien nach Worten einer Psychoanalytikerin nicht zur Beruhigung. "Sie werden zu oft genutzt, um Beziehung und Konflikte zu vermeiden", sagte Diana Pflichthofer der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Die Lösung sei, "ganz banal, den Konsum zu reduzieren - wie bei anderen Suchtmitteln auch. Ein Glas Wein zu genießen, ist schön. Wer aber von morgens bis abends Wein trinkt, muss etwas ändern."
Entscheidend sei, ob man ein Mittel nutze, um etwas zu vermeiden oder etwas zu entwickeln. In der Familie gebe es schnell Streit, wenn Eltern etwa das Online-Gaming einschränkten. "Diesen Krach muss man austragen", betonte die Autorin, deren Buch "Ewig Kind" soeben erschienen ist. Jeder Mensch vermeide gelegentlich etwas: "Man darf auch mal zu Hause bleiben, wenn einem nicht nach Kontakt zumute ist. Aber wenn man Kontakte nur noch meidet, dann merkt man selbst, dass etwas nicht stimmt."
Bei den Sozialen Netzwerken dürfe man nicht vergessen, dass Konzerne ein Interesse an einer hohen Nutzungszeit hätten. "Wenn sie eine Mediennutzungszeit von vier Stunden täglich als unproblematisch bezeichnen, dann liegt das auch daran, dass sie mit dieser Nutzung ihr Geld verdienen", erklärte Pflichthofer. In solch einem gesellschaftlichen Klima sei es für den Einzelnen nicht leicht zu erkennen, ob die eigene Nutzung noch im Rahmen sei oder ob man "den Kompass verloren" habe.
Zudem würden im Netz "lauter Scheinheilige" als Vorbilder inszeniert: "Die werden behandelt wie Heilige, aber es sind keine. Ihre handfesten wirtschaftlichen Interessen werden ignoriert", kritisierte die Expertin. Oftmals schüfen Influencer eine Kunstfigur, die jungen Menschen greifbar und vertraut scheine. "Lehrerinnen, Mitschüler oder Trainer werden dagegen weniger bedeutsam." Im digitalen Raum führe man jedoch Scheinbeziehungen - und verlerne womöglich den Austausch mit echten Menschen.
