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Ein Viertel hat digitale Gewalt erlebt - Ruf nach Strafbarkeit

Mit KI erstellte, gefälschte pornografische Videos oder heimliche Aufnahmen in der Sauna: All das soll bald bestraft werden können. Eine Umfrage zeigt erneut die Dringlichkeit entsprechender Regelungen.

Jede und jeder Vierte in Deutschland hat nach eigenen Worten bereits Erfahrungen mit digitaler Gewalt gemacht. Das zeigt eine Umfrage des Digitalverbandes Bitkom. Als digitale Gewalt wurden dabei digitale Angriffe wie besonders beleidigende oder bedrohende Nachrichten, starke Belästigung, üble Nachrede oder Mobbing, die Verbreitung intimer Bilder oder Deepfakes bis hin zur Androhung körperlicher Gewalt im Internet verstanden, wie es hieß.

Besonders häufig betroffen sind demnach jüngere Menschen: Unter den 16- bis 29-Jährigen berichten 43 Prozent von entsprechenden Erfahrungen, bei den 30- bis 49-Jährigen sind es 26 Prozent, bei den 50- bis 64-Jährigen 29 Prozent und unter den Menschen ab 65 Jahren 8 Prozent. Insgesamt 18 Prozent berichten von einer einmaligen Erfahrung, 69 Prozent waren nach eigenen Angaben noch nie betroffen.

Eine Mehrheit von 80 Prozent der Befragten fordert eine konsequente Strafverfolgung, wenn intime Bilder oder Videos ohne Zustimmung erstellt oder verbreitet werden. 77 Prozent halten das Problem für noch größer als aktuell diskutiert. Zugleich finden 81 Prozent, dass Online-Plattformen verpflichtet werden sollten, Hinweise auf digitale Gewalt besonders schnell zu prüfen und zu löschen. Die Debatte um den Schutz vor digitaler Gewalt war zuletzt durch den Fall Collien Fernandes befeuert worden.

Am (heutigen) Freitag stellt Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) einen Gesetzentwurf zu digitaler Gewalt vor. Damit sollen künftig das Herstellen und Verbreiten von pornografischen Deepfakes, Vergewaltigungsvideos und voyeuristischen Aufnahmen in der Sauna unter Strafe gestellt werden. Zudem sollen Betroffene sich leichter vor Gericht wehren und etwa Accountsperren erreichen können.

Es handle sich nicht um ein Kavaliersdelikt, mahnte Bitkom-Geschäftsführer Bernhard Rohleder: "Wer andere im Netz gezielt bedroht, demütigt oder intime Inhalte ohne Zustimmung verbreitet, greift Würde, Privatsphäre und Sicherheit der Betroffenen an. Das neue Gesetz ist ein wichtiger Fortschritt im Kampf gegen digitale Gewalt."