Historiker: Abwicklung der DDR war im Kern räuberisch
Unzufriedenheit mit der Bundesregierung und Erfolge für die AfD. Die Verantwortung für die Stimmung in den ostdeutschen Bundesländern tragen nach Ansicht eines Historikers oft Menschen aus dem Westen - und nennt Gründe.
Osnabrück (KNA) Die aktuelle politische und gesellschaftliche Situation in Ostdeutschland haben sich nach Worten des Historikers Götz Aly viele Westler selbst eingebrockt. "Die Abwicklung der DDR verlief zu schnell, zu wenig kooperativ und im Kern räuberisch", sagte der 78-Jährige in einem am Freitag veröffentlichten Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung".
Aly kritisierte die "westdeutsche Übernahme der allermeisten Leitungspositionen in den Betrieben, Gerichten und Ministerien". Auch habe es eine fast komplette Übernahme der Universitäten zugunsten des Westpersonals gegeben. Außerdem wurden Berufsabschlüsse nicht anerkannt; Wohnungen und Liegenschaften übernommen.
Bei seiner Arbeit in den 1990er-Jahren als Redakteur der "Berliner Zeitung" habe er hingegen schnell festgestellt: "Unter den Ex-DDRlern gab es genauso viele hoch qualifizierte und angenehme Kollegen wie unter den Ex-Alt-BRDlern - und jeweils genauso viele windige, schlecht schreibende oder parteiisch fixierte Wichtigtuer."
