Lehrerverband: Neue Zahlen zu Gewalt an Schulen "alarmierend"
Die Zahl der Übergriffe gegen Lehrerinnen und Lehrer ist in Deutschland massiv gestiegen. Das zeigen neue Zahlen. Die Pädagogen fordern Konsequenzen.
Berlin/Wiesbaden (KNA) Der Deutsche Lehrerverband hat den Anstieg von Gewalt gegen Lehrkräfte als alarmierend bezeichnet. Die neuen Zahlen aus der Polizeilichen Kriminalstatistik bestätigten, was viele Lehrkräfte seit Jahren erlebten, betonte Verbandspräsident Stefan Düll: Das seien "Gewalt, Bedrohungen und Respektlosigkeit".
Zuvor war bekanntgeworden, dass die Fälle von vorsätzlicher einfacher Körperverletzung mit einem Opfer aus dem Lehrpersonal sich zwischen 2015 und 2024 fast verdoppelt haben - von 717 auf 1.283.
Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen im Bundestag hervor. Der Bericht listet auch "Gewaltkriminalität" gegen Lehrpersonal im Kontext mit der Arbeit auf. In dieser statistischen Kategorie, die Taten wie Raubdelikte, Nötigung, gefährliche Körperverletzung und Mord erfasst, stieg die Zahl zwischen 2015 und 2024 von 268 auf 557 aktenkundige Fälle.
In einer Mitteilung vom Freitag stellte Verbandschef Düll klar: "Wer Lehrkräfte angreift, greift die Schule als zentralen Ort des gesellschaftlichen Zusammenhalts an. Das dürfen wir nicht hinnehmen: Lehrkräfte haben ein Recht auf einen Arbeitsplatz ohne Gewalt." Die Zahlen zeigten, dass Prävention und Schutz bislang unzureichend seien. "Es reicht nicht, Gewalt zu beklagen – wir müssen handeln."
Düll forderte mehr Prävention, Intervention und Nachsorge. "Das heißt zum Beispiel: klare rechtliche Rückendeckung für Lehrkräfte, konsequentes Eingreifen der Schulaufsicht sowie eine deutlich stärkere Präsenz von Schulsozialarbeit, Schulpsychologie und externen Präventions- und Nachsorgeangeboten."
Gespräche der Polizei mit den Kindern und Jugendlichen - sei es präventiv im Klassenverband oder nach einem Gewaltvorfall mit den Täterinnen und Täter - seien notwendig, auch vor der Strafmündigkeit. Düll wies auch auf den großen Zusammenhang hin: "Gewaltvorfälle an Schulen sind dabei auch Teil einer gesamtgesellschaftlichen Tendenz mit mehr Aggressivität."
"Als Gesellschaft müssen wir auch darüber reden, wie wir unsere Kinder erziehen und welche Vorbilder wir mit unserem eigenen Verhalten abgeben", so der Verbandspräsident. "Gerade Eltern, Influencer, Politikerinnen und Politiker sowie andere öffentliche Persönlichkeiten tragen eine besondere Verantwortung."
