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Forscher: "Prepper" tun etwas gegen verbreitete Ohnmachtsgefühle

Oft werden sie belächelt - doch "Prepper" sind nach Worten eines Experten durchaus Coaches in eigener Sache. Er hat untersucht, warum manche Menschen exzessiv Vorsorge betreiben.

Die Realität ist komplexer, als Klischees über sogenannte Prepper vermuten lassen: In seiner Forschung habe er mit sehr unterschiedlichen Menschen gesprochen, sagte der Sozialwissenschaftler Mischa Ley der Zeitschrift "Psychologie Heute" (Mai-Ausgabe). "Prepper", abgeleitet vom englischen "to prepare", sind Menschen, die sich akribisch auf Katastrophen oder Kriegsszenarien vorbereiten. Unter ihnen gebe es sowohl humorvolle als auch misstrauische Personen, so Ley.

Manche begännen mit dem Aufbau von Notvorräten oder einem Survival-Training, weil sie bereits Mangelerfahrungen gemacht hätten: "etwa wenn Menschen einen langanhaltenden Stromausfall erlebt haben oder auf der Autobahn eingeschneit waren". Wer diese Form von Unsicherheit und Angst erlebt habe, frage sich mitunter, ob Ähnliches erneut passieren könne. Auch familiäre Erzählungen, etwa über das Hungern nach dem Zweiten Weltkrieg, könnten diese Haltung befördern.

Manche Prepper hätten durchaus "eine manifeste verschwörungsideologische Weltanschauung", sagte der Forscher. In Teilen der Szene gebe es "ein starkes Misstrauen gegenüber Mitmenschen, staatlichen Institutionen, Technik und Politik. Dieses Misstrauen mischt sich bei manchen mit dem Gefühl, in unsicheren Zeiten zu leben, sowie mit kulturpessimistischen Zeitdiagnosen von moralischem Verfall und Dekadenz."

Davor wollten Menschen sich und ihre Familien schützen, erklärte Ley. "Preppen ist daher auch als eine Art proaktives Coaching zu verstehen, das Gefühlen von Verunsicherung, Ohnmacht und Verwundbarkeit entgegenwirken soll." Manche strebten eher an, im Krisenfall in abgelegene Gegenden ausweichen zu können: "Ihr Ziel ist, sich den Gegebenheiten vor Ort anzupassen und als Jäger und Sammler zu überleben." Andere rüsteten Haus oder Wohnung auf, um in einer Notlage ihren gewohnten Lebensstandard aufrecht erhalten zu können.