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Studie: Menschen nutzten schon vor 220.000 Jahren eine Art Steinbruch

Experten der Uni Tübingen wollen die These widerlegt haben, wonach Jäger und Sammler in der Altsteinzeit Steine für ihre Werkzeuge beiläufig beschafften. Vielmehr hätten sie das gezielt getan.

Steinzeitmenschen haben einer neuen Studie zufolge weit früher als bisher angenommen Steine für ihre Werkzeuge gezielt und langfristig beschafft. Bereits in der Altsteinzeit vor 220.000 Jahren hätten sie Steine für ihre Werkzeuge an eigens dafür aufgesuchten Orten abgebaut, so das Fazit einer am Dienstag veröffentlichten Forschungsarbeit. Ein internationales Team unter Leitung der Universität Tübingen habe dies an der Fundstelle Jojosi in Südafrika in einem steinzeitlichen Steinbruch nachgewiesen.

Widerlegt sei damit "das vorherrschende Paradigma, wonach Jäger und Sammlergruppen während der Altsteinzeit das Material für Steinwerkzeuge beiläufig bei anderen Aktivitäten sammelten". Der Ausgrabungsort Jojosi liegt in einer weiten Graslandschaft im östlichen Südafrika, etwa 140 Kilometer von der Küste des Indischen Ozeans entfernt.

"Die Befunde aus Jojosi eröffnen einen seltenen, klaren Blick auf die frühen Wurzeln des menschlichen Planungsvermögens", sagte Karla Pollmann, Rektorin der Universität Tübingen. Die Studie zeige, wie weit zurück die Fähigkeit reiche, Ressourcen bewusst zu wählen und Tätigkeiten über Generationen hinweg zu organisieren.

"Wir fanden in Jojosi zahlreiche Spuren des Hornfelsabbaus", erläuterte Manuel Will, Experte für Ältere Urgeschichte. Hornfels ist ein feinkörniges Gestein, das in der Steinzeit zur Herstellung von Werkzeugen verwendet wurde. Die frühen Menschen hätten an der Fundstelle Felsblöcke bearbeitet und solange Material abgeschlagen, "bis sie aus dem Stein die gewünschten Formen gewonnen hatten - wahrscheinlich, um daraus später Werkzeuge herzustellen".

Die Forschenden fanden nach eigenen Angaben fast nur noch "Produktionsabfall". Mit Hilfe von "3-D-Puzzles" setzten sie zahlreiche Bruchstücke und Steinartefakte wieder zusammen. Dass in Jojosi keine Endprodukte oder Besiedlungsspuren gefunden wurden, lege nahe, dass die Menschen der Steinzeit Jojosi ausschließlich und absichtlich aufgesucht hätten, um das begehrte Rohmaterial zu gewinnen - und das über Zehntausende von Jahren hinweg, mindestens bis 110.000 vor Christus. Das habe die Datierung der Fundstücke ergeben. Damit erweitere Jojosi das Bild des frühen Homo sapiens.