Désirée Nosbusch beklagt "explosionsartige" Gewalt unter Jüngeren
Gewalttaten bis hin zum Mord sind für die Schauspielerin Désirée Nosbusch keineswegs Randthemen. Viele Menschen hätten eine "sehr kurze Zündschnur". Sie mahnt, diese gesellschaftliche Dynamik ernstzunehmen.
Bonn (KNA) Désirée Nosbusch (61), Schauspielerin, sieht eine explosionsartige Entwicklung der Gewalt unter jungen Menschen. "Wir erleben ja gerade, wie viel Aggressionspotenzial und Gewalt unter Jugendlichen vorhanden ist", sagte sie in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Am 9. und 16. April ist die Darstellerin als Kriminalpsychologin Blake im Ersten zu sehen; der Fall behandelt einen Femizid, also die Tötung einer Frau aufgrund ihres Geschlechts.
Dieses Thema tauche immer wieder auf, erklärte Nosbusch. "Und vor allem ist es kein Randthema - es ist omnipräsent." Oft dauere es "sehr lange, bis weibliche Opfer wirklich gehört werden. Und da Filme und Serien ja häufig das widerspiegeln, was in unserer Gesellschaft passiert, würde ich mich tatsächlich trauen zu sagen: Ja, vielleicht wird dieses Thema noch immer nicht ausreichend behandelt."
Ihr Eindruck sei, dass viele Menschen derzeit eine sehr kurze Zündschnur hätten, fügte die Schauspielerin hinzu. "Eine echte Streitkultur scheint oft zu fehlen. Konflikte eskalieren schneller als früher." Besonders erschreckend sei dies unter jüngeren Menschen: "Wenn Zwölfjährige aufeinander losgehen oder Vierzehnjährige Zwölfjährige vergewaltigen - dann zeigt das, wie brutal diese Dynamiken werden können."
Sie selbst spüre diese Entwicklung, wenn sie Veranstaltungen moderiere. Nosbusch nannte die Berlinale als Beispiel. "Man bewegt sich manchmal auf sehr dünnem Eis. Es wird fast erwartet, dass man sich sofort auf eine Seite schlägt - selbst dann, wenn man eigentlich gar nicht in diesem Lagerdenken steht."
Für Gewalttaten fordert die gebürtige Luxemburgerin härtere Strafen. Wenn etwa pädophile Straftäter zu drei Jahren Haft verurteilt würden, dann "stimmt einfach etwas nicht". Es erfordere auch heute noch "enorme Stärke", aus Gewaltbeziehungen auszubrechen.
"Und noch etwas: Frauen sind heute in vielerlei Hinsicht näher an dem Punkt, den wir immer erreichen wollten - selbstständig, unabhängig, emanzipiert", erklärte Nosbusch. "Das bedeutet aber auch, dass sich viele Männer neu definieren müssen. Dieser Prozess kann Unsicherheit und manchmal auch Aggression auslösen. Das sollte man nicht unterschätzen."
