Friedensforscher: Trump instrumentalisiert Religion
"Trump als Auserwählten Gottes zu sehen, finde ich geschmacklos und wirklich schlimm", sagt der Theologe und Friedensforscher Wolfgang Palaver. Und blickt auch auf Europa, wenn es um Religion und Nationalismus geht.
Feldkirch (KNA) Der Innsbrucker Theologe und Friedensforscher Wolfgang Palaver warnt vor einer politischen Vereinnahmung des Christentums - besonders im Umfeld von US-Präsident Donald Trump und bei rechten Parteien in Europa wie der AfD. "Trump als Auserwählten Gottes zu sehen, finde ich geschmacklos und wirklich schlimm", sagte Palaver der "Neuen Vorarlberger Tageszeitung".
Die Maga-Bewegung beschreibt Palaver als Reaktion auf eine Gesellschaft, in der Religion zunehmend an den Rand gedrängt worden sei. Themen wie Schwangerschaftsabbrüche, traditionelle Familienbilder und die Vorstellung der USA als christliche Nation spielten dabei eine zentrale Rolle.
Palaver sieht darin eine problematische Entwicklung: "Wir haben auf der ganzen Welt eine stärkere Tendenz zum Nationalismus." Religion werde dabei in ein nationales Korsett gezwängt. Ähnliche Tendenzen sieht er auch in Europa - etwa bei der AfD sowie bei politischen Kräften in Österreich. Grund sei Verunsicherung in einer pluralen Gesellschaft, verbunden mit dem Wunsch nach klarer Identität. Dabei werde Religion zunehmend als Symbol genutzt, ohne ihren eigentlichen Gehalt zu reflektieren. Gerade das Christentum werde so politisch aufgeladen und funktionalisiert.
Palaver war bis 2023 Professor an der Universität Innsbruck, ist seit 2025 Beauftragter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa zur Bekämpfung von Intoleranz und Diskriminierung sowie Präsident von Pax Christi Österreich.
