Papst ernennt Heiner Wilmer zum Bischof von Münster
Erst kürzlich ist Heiner Wilmer zum Vorsitzenden der Bischofskonferenz gewählt worden. Nun übernimmt der bisherige Hildesheimer Bischof das mitgliederstärkste deutsche Bistum.
Vatikanstadt/Münster (KNA) Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer (64), wird neuer Bischof von Münster. Papst Leo XIV. ernannte den bisherigen Hildesheimer Bischof am Donnerstag zum Chef des mitgliederstärksten katholischen Bistums in Deutschland. Das gab der Münsteraner Dompropst Hans-Bernd Köppen am Mittag bekannt. Im voll besetzten Sankt-Paulus-Dom wurde Wilmers Name mit Applaus aufgenommen. Seine Amtseinführung soll am 28. Juni stattfinden.
Wilmer steht erst seit wenigen Wochen an der Spitze der katholischen Kirche in Deutschland: Die Bischöfe wählten ihn am 24. Februar zu ihrem Vorsitzenden. In Münster folgt er nun auf Felix Genn, der im März 2025 altersbedingt zurückgetreten war.
In seiner ersten gut 15-minütigen Ansprache stellte Wilmer die Kirche als "gemeinsamen Weg" dar. Die Haltung der Kirche heute müsse sein: aufsuchen, zuhören, verstehen und dann gemeinsam vorangehen. Mit Blick auf die Herausforderungen der Gegenwart sagte er: "Nicht alles wissen, nicht alles erklären können, aber unterwegs sein und darauf vertrauen." Der neue Bischof zeigte sich dankbar und bewegt. Zugleich betonte er seinen Respekt vor der Aufgabe: "Ich komme mit großem Respekt vor den Menschen, vor dem, was hier im Bistum Münster gewachsen ist."
Besonders deutlich äußerte sich Wilmer zum Umgang mit sexualisierter Gewalt in der Kirche. "Viele Verantwortungsträger haben viel zu lange weggeschaut. Das alles darf es nie wieder geben", sagte er unter starkem Applaus. Er kündigte an: "Ich werde mich mit aller mir zur Verfügung stehenden Kraft dafür einsetzen, dass unsere Kirche ein sicherer Raum ist." Wilmer trat mit 19 Jahren in den Orden der Herz-Jesu-Priester (Dehonianer) ein. Der promovierte Theologe arbeitete zeitweise als Lehrer in der New Yorker Bronx, leitete später das ordenseigene Gymnasium in Handrup (Emsland) und wurde 2007 Provinzial der deutschen Ordensprovinz.
2015 wechselte er nach Rom, wo er als Generaloberer die weltweite Leitung des Ordens übernahm und enge Kontakte in den Vatikan knüpfte. Seit 2018 leitet der Ordensmann aus dem Emsland das Bistum Hildesheim.
Als Vorsitzender der Bischofskonferenz zeigte sich Wilmer zuletzt tief besorgt wegen des amerikanisch-israelischen Angriffs auf den Iran. Gesellschaftspolitisch rief er zum Schutz der Demokratie auf und warnte vor einer Wahl der AfD. Innerkirchlich sprach er sich für Reformen, jedoch gegen einen deutschen Sonderweg aus. Er machte sich zudem für den Fortbestand des Fonds Sexueller Missbrauch stark.
Im Bistum Münster steht Wilmer künftig an der Spitze von rund 1,59 Millionen Katholiken. Im Bistum Hildesheim leben knapp 500.000 Menschen, die der katholischen Kirche angehören. Münster ist das mitgliederstärkste deutsche Bistum vor Köln (1,58 Mio.), Rottenburg-Stuttgart (1,53 Mio.), Freiburg (1,51 Mio.) und München-Freising (1,38 Mio.).
