Vatikan-Astronom: Urknall "zutiefst katholisch" - Aliens möglich
Der Leiter der Vatikan-Sternwarte beschreibt das Zusammenspiel von Glaube und Forschung: Der Urknall widerspreche der Bibel nicht. Zugleich hält er Leben im All für wahrscheinlich - mit offenen Fragen für die Theologie.
Vatikanstadt (KNA) Der Leiter der Vatikanischen Sternwarte, Jesuitenpater Richard Anthony D'Souza, sieht zwischen Wissenschaft und Glauben keinen Gegensatz. "Die Theorie vom Urknall ist zutiefst katholisch!", sagt er im Interview der "Zeit" und verweist auf den Priester Georges Lemaître, der sie entwickelte. Die biblische Schöpfungsgeschichte versteht D'Souza dabei ausdrücklich nicht wörtlich. Vielmehr stehe sie "im absoluten Einklang" mit Urknall- und Evolutionstheorie.
Zugleich zieht der Astronom klare Grenzen: "Mein Gott ist kein Lückenfüller für alles Unerklärbare." Religion gebe Sinn und Hoffnung, ersetze aber keine naturwissenschaftlichen Erklärungen. D'Souza versteht Glaube und Forschung komplementär. Die Kirche habe ein langes Interesse an Astronomie, seine eigene Arbeit sei dabei auch Ausdruck von Glauben: Wer das Universum erforsche, "preist damit Gott", so der Priester.
Offen zeigt sich der Jesuit bei der Frage nach außerirdischem Leben. Aufgrund der Größe des Universums hält er es für wahrscheinlich, "dass auch irgendwo anders Leben entstanden ist". In den kommenden Jahrzehnten rechnet er mit entsprechenden Belegen. Auch solche Wesen wären "Geschöpfe Gottes". Für die Kirche würden sich daraus jedoch neue theologische Fragen ergeben.
