Erneut mehr junge Menschen in Heimen und Pflegefamilien untergebracht
Immer mehr Kinder und Jugendliche brauchen ein Zuhause auf Zeit - in einem Heim oder einer Pflegefamilie. Besonders stark betroffen sind die Kinder von alleinerziehenden Eltern und geflüchtete Jugendliche.
Wiesbaden (KNA) Knapp eine Viertelmillion junger Menschen wächst zumindest zeitweise außerhalb der eigenen Familie auf: Das zeigen Zahlen, die das Statistische Bundesamt am Montag veröffentlichte. Im Jahr 2024 wurden demnach bundesweit rund 134.000 Kinder, Jugendliche oder junge Erwachsene in einem Heim betreut, knapp 87.500 in einer Pflegefamilie. Insgesamt sind damit 221.500 junge Menschen betroffen. Im Vergleich zu 2023 sei die Zahl der Betroffenen um drei Prozent oder 7.000 Fälle gestiegen - der zweite Anstieg in Folge.
Ein Hintergrund dieser Entwicklung sei, dass Minderjährige unbegleitet nach Deutschland einreisen. Nach einer vorübergehenden Inobhutnahme durch die Jugendämter würden sie oft in Heimen und betreuten Wohnformen oder - seltener - in Pflegefamilien untergebracht: Gut zwei Drittel des jüngsten Anstiegs (69 Prozent oder 4.800 Fälle) können nach Angaben der Statistiker dadurch erklärt werden.
Die Eltern der Betroffenen waren demnach in fast jedem zweiten Fall (47 Prozent) alleinerziehend - also "besonders häufig", wie es heißt. Knapp 61.100 junge Menschen wurden 2024 neu in einem Heim oder einer Pflegefamilie aufgenommen. Der am häufigsten genannte Hauptgrund dafür war mit 19 Prozent der Ausfall der Bezugsperson dieser jungen Menschen, etwa infolge einer unbegleiteten Einreise aus dem Ausland oder der Erkrankung eines Elternteils. An zweiter Stelle stand die eingeschränkte Erziehungskompetenz der Eltern (15 Prozent), an dritter eine Gefährdung des Kindeswohls durch Vernachlässigung, Misshandlung oder sexuelle Gewalt (13 Prozent).
Die jungen Menschen, die betreut wurden, waren den Angaben zufolge etwas häufiger männlich (57 Prozent) als weiblich (43 Prozent). Etwa drei Viertel (76 Prozent) von ihnen waren noch minderjährig; etwa ein Viertel (24 Prozent) sogenannte Careleaver, also junge Volljährige, die für den Übergang aus der öffentlichen Erziehungshilfe in ein selbstständiges Leben betreut werden.
