Forscherin: Zuckersteuer nur ein Baustein für gesunde Ernährung
Über eine Zuckersteuer in Deutschland wird derzeit wieder viel debattiert - nun steht wohl eine Bundesratsinitiative dafür an. Eine Forscherin warnt aber: Alleine mit der Steuer ist noch nichts gewonnen.
Köln (KNA) Eine Steuer für zuckerhaltige Lebensmittel kann aus Sicht einer Forscherin nur ein Baustein im Kampf gegen ernährungsbedingte Krankheiten in der Bevölkerung sein. "Wir können damit eventuell die Fälle abbremsen. Aber es reicht nicht aus, um Übergewicht und Adipositas zu stoppen", sagte die Gesundheitsforscherin Sarah Forberger vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen am Donnerstag. Sie äußerte sich im Rahmen eines Expertengesprächs des Kölner Science-Media-Centers.
Eine Steuer, wie sie etwa im Vereinigten Königreich als Händlerabgabe erhoben wird, könne besonders bei zuckerhaltigen Getränken sinnvoll sein. Das darin enthaltene flüssige Kalorien sei auch gesundheitsschädlich, aber gleichzeitig weniger sättigend, weswegen gerade Kinder davon viel zu sich nähmen. Dennoch sei eine Steuer alleine kein "Allheilmittel", mahnte Forberger. "Sie kann ein wirksamer Baustein für die Verhaltensprävention sein, ersetzt aber nicht die Notwendigkeit, ein gesundes Ernährungsumfeld zu schaffen." Die Forscherin forderte deshalb einen Maßnahmenkatalog, der eine Vision für eine gesunde Ernährung in Deutschland vorlege.
Über eine Zuckersteuer wird derzeit wieder viel debattiert. Am Donnerstag kündigte die schwarz-grüne Landesregierung von Schleswig-Holstein an, über eine Initiative im Bundesrat eine Abgabe für zuckerhaltige Softgetränke zu erreichen. Zuvor war der CDU-Landesverband mit einem entsprechenden Antrag beim Bundesparteitag gescheitert. Begründet wurde es von zahlreichen CDU-Delegierten damit, dass es mehr Aufklärung statt Verbote brauche.
Das Aufklärungsargument scheine aber nur auf den ersten Blick plausibel, sei aber vielmehr naiv, so Marc Tittgemeyer vom Kölner Max-Planck-Institut für Stoffwechselforschung. "Das Prinzip der Selbstverantwortung greift sicher bei Menschen, die sich schon gut ernähren", erklärte der Forscher. Wer allerdings schon entgleist sei, könne damit nicht wieder eingefangen werden. "Irgendwann essen wir, weil wir adipös sind. Dann greifen diese Prinzipien der Selbstverantwortung und des 'freien Willens' nicht mehr."
Der Forscher würde eine Form der Zuckersteuer deshalb begrüßen. Es brauche darüber hinaus eine gesamtgesellschaftliche Anstrengung für eine gesündere Ernährung. "Wir sind in einer verzweifelten Lage", betonte Tittgemeyer.
