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Meldung

Israels Druck auf Dörfer im Südlibanon nimmt zu

Einem Bericht zufolge vertreibt Israel gezielt die schiitische Bevölkerung im Südlibanon - auch Flüchtlinge, die in mehrheitlich christlichen Orten untergekommen sind.

Nach dem Tod eines christlichen Geistlichen durch israelischen Artilleriebeschuss sind weitere Zivilisten im Südlibanon vertrieben worden. Wie die libanesische Zeitung "L'Orient - Le Jour" meldete, hielten Soldaten der UN-Mission UNIFIL die Bewohner der Ortschaft Alma al-Shaab am Dienstag dazu an, ihr Dorf zu verlassen und nach Norden zu ziehen. Vorsteher anderer christlicher Orte hätten Aufforderungen des israelischen Militärs erhalten, aufgenommene schiitische Flüchtlinge fortzuschicken.

Die Zeitung zitiert den Ortsvorsteher der Kleinstadt Rmeich nahe der israelischen Grenze, der von Israel vor einem Angriff gewarnt worden sei für den Fall, dass er Vertriebene beherberge, die "in Kontakt mit der Hisbollah" stünden. Ein anderer Ortsvorstand habe einen ähnlichen Anruf erhalten. Laut einer nicht namentlich genannten Quelle wurden nur schiitische Flüchtlinge zum Verlassen der Gegend aufgefordert, nicht aber vertriebene Christen.

Bis jetzt hatten dem Bericht zufolge christliche Ortschaften allgemeine Räumungsanordnungen des israelischen Militärs ignoriert. Am Dienstag hätten UNIFIL-Truppen, die das Waffenstillstandsabkommen zwischen Israel und dem Libanon überwachen, das Dorf Alma al-Shaab evakuieren lassen. Es werde "niemand zurückbleiben", zitierte "L'Orient - Le Jour" den Vorsitzenden des Gemeinderats, Chadi Sayah.

Am Sonntag war in Alma laut der Zeitung ein Mann durch einen israelischen Drohnenangriff getötet worden. Am Montag starb in Qlayaa unweit des Hermon-Gebirges der katholische Pfarrer des Ortes bei einem Mörserangriff. Der maronitische Patriarch Kardinal Béchara Raï rief die libanesische Regierung auf, ihren Beschluss zur Entwaffnung der Hisbollah-Miliz umgehend umzusetzen.