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Studie: Deutschland steht bei Lebenserwartung nicht gut da

Deutschland ist im internationalen Vergleich kein Ort zum Altwerden. Das zeigt eine Langzeituntersuchung der Sterblichkeit.

Deutschland steht bei einem langfristigen Vergleich der Lebenserwartung in Westeuropa nicht gut da. Besonders in manchen Gebieten der neuen Bundesländer sterben gerade Männer auffällig früh, wie das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden am Montag über eine eigene Studie berichtete. In der Region Altmark im Norden von Sachsen-Anhalt betrug demnach 2019 die Lebenserwartung für Männer 76,29 Jahre, in der Region Vorpommern 76,44 Jahre.

Damit belegten ostdeutsche Regionen zwei der fünf letzten Plätze. Nur die portugiesischen Inselgebiete Azoren und Madeira schnitten im Vergleich der Sterblichkeitsdaten aus 450 Regionen in 13 europäischen Ländern noch schlechter ab. Bei Frauen sind alle fünf Regionen mit niedrigster Lebenserwartung in Schottland und Nordengland gelegen.

Für die Studie, die in der Fachzeitschrift "Nature Communications" veröffentlicht wurde, haben die Forschenden regionale Daten über den Zeitraum von 1992 bis 2019 ausgewertet. Die Langzeituntersuchung endet damit kurz vor der Corona-Krise. Dies ermögliche den Blick auf "langfristige Tendenzen frei von Verzerrungen", so das Institut.

Insgesamt stehen deutsche Regionen im westeuropäischen Vergleich nicht gut da, fasst Autor Sebastian Klüsener vom Institut zusammen: "Im Untersuchungszeitraum konnte sich keine einzige Region in Deutschland innerhalb der oberen zehn Prozent aller westeuropäischen Regionen mit der höchsten Lebenserwartung etablieren."

Sowohl für Westeuropa als auch für Deutschland ist ein Trend klar: Die Lebenserwartung stieg von 1992 bis 2005 mit hohem Tempo, danach nicht mehr. "Nach 2005 hat sich der Fortschritt in allen Regionen Deutschlands verlangsamt. Dabei verzeichneten neben weiten Teilen Ostdeutschlands auch einige Regionen im Norden und Westen des Landes ungünstige Entwicklungen", so die Mitteilung. Insbesondere bei Frauen stehe dies in engem Kontext mit Tabakkonsum, "da in diesen Landesteilen traditionell mehr geraucht wird als in Süddeutschland".

Es gehe auch anders: "Regionen in Norditalien, der Schweiz und Teilen Spaniens zeigen auf, dass weitere Fortschritte möglich sind und das Potenzial für zusätzliche Zugewinne weiterhin besteht", so Autor Pavel Grigoriev. Eine wieder zunehmende regionale Ungleichheit bei der Lebenserwartung in Europa müsse bei gesundheitlichen und sozialpolitischen Maßnahmen stärker in den Blick genommen werden.