Studie: Meeresspiegel viel höher als gewöhnlich angenommen
Forscher aus Deutschland und den Niederlanden haben die gängigen Modelle hinterfragt, mit denen der weltweite Meeresspiegel berechnet wird. Ihre Erkenntnisse sind beunruhigend.
Köln (KNA) Der Meeresspiegel entlang der Küsten der Welt ist laut einer neuen Untersuchung deutlich höher als zumeist angenommen - somit sind auch viel mehr Menschen von Katastrophen bedroht. "In den am stärksten betroffenen Regionen wie Südostasien und dem Indopazifik liegt er sogar etwa 1 bis 1,5 Meter höher als das Niveau, von dem bisherige wissenschaftliche Beurteilungen zu Küstengefahren ausgehen", teilte die Universität zu Köln am Freitag mit.
"Unsere korrigierten Berechnungen zeigen, dass bei einem relativen Anstieg des Meeresspiegels um einen Meter 37 Prozent mehr Fläche und 68 Prozent mehr Menschen - bis zu 132 Millionen - unter Meeresspiegelniveau fallen werden, als frühere geoidbasierte Bewertungen vermuten ließen", erläuterte die Kölner Geografin Katharina Seeger in der Mitteilung. Sie und ihr Kollege Philip Minderhoud aus dem niederländischen Wageningen haben die Ergebnisse im Fachjournal "Nature" veröffentlicht.
Minderhoud und Seeger berechneten die Differenz zwischen der Höhe des Küstenlandes und dem küstennahen Meeresspiegel weltweit und zogen den Vergleich mit 385 aktuellen wissenschaftlichen Publikationen. Sie stellten fest, dass mehr als 90 Prozent der Studien zu Küstengefahren keine Meeresspiegelmessungen verwendeten. Stattdessen fußten sie auf Modellen, die eine Schätzung des globalen Meeresspiegels auf der Grundlage der Schwerkraft und Rotation der Erde liefern.
"Der Meeresspiegel wird allerdings durch zusätzliche Faktoren wie Winde, Meeresströmungen, Gezeiten sowie die Temperatur und den Salzgehalt des Meerwassers beeinflusst", so Minderhoud laut Mitteilung. "Die tatsächliche Höhe kann daher abweichen."
Satelliten lieferten weltweit verfügbare Messungen sowohl der Landhöhe als auch des Meeresspiegels, letztere auf wenige Zentimeter genau. Doch würden Land- und Meeresspiegel mit unterschiedlichen Satelliten gemessen. Das erschwere das Kombinieren der Werte, wurde Seeger zitiert. "Als wir genaue Meeresspiegelmessungen korrekt mit der Landhöhe integrierten, stellten wir fest, dass der Meeresspiegel an vielen Orten der Welt erheblich höher ist."
