Eichstätter Finanzprozess - Ex-Bischofsstellvertreter verteidigt Chef
Vor acht Jahren machte der damalige Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke einen Finanzskandal in seiner Diözese publik. Seit Januar läuft dazu der Prozess. Dabei äußerte sich nun die frühere Nummer zwei des Bistums.
München (KNA) Im Prozess zum Finanzskandal des Bistums Eichstätt hat am Donnerstag erstmals ein Geistlicher als Zeuge vor dem Landgericht München II ausgesagt. Der frühere Generalvikar, also Bischofsstellvertreter, Isidor Vollnhals, verteidigte dabei seinen ehemaligen Vorgesetzten Bischof Gregor Maria Hanke. Dieser habe stark auf transparente Bistumsfinanzen gedrängt und mit riskanten Investitionen persönlich nichts zu tun gehabt.
"Ich wüsste nicht, dass der Bischof sich in Anlageentscheidungen eingemischt hätte", sagte Vollnhals, der von 2010 bis 2019 Generalvikar war. Der 76-jährige Ruheständler ergänzte, Hanke habe sich in Sachen Bistumsfinanzen für mehr Transparenz und externe Expertise eingesetzt, auch gegen Widerstände.
Vollnhals äußerte sich ferner zu einem der beiden Angeklagten, einem früheren leitenden Mitarbeiter in der Finanzabteilung des Bistums. Es habe zwar intern Kritik an der Einstellung eines früheren Bankers, eines "Zockers", gegeben. Aber: "Für mich war das ein Aussteiger, ein Bekehrter." Gleichwohl habe der Mann in Bezug auf eine kirchliche Stiftung einmal gesagt, das Bistum habe "konservative und langweilige" Anlagestrategien.
Der Ex-Generalvikar betonte immer wieder, Sicherheit sei bei Investitionen vorrangig gewesen. Auf Nachfrage eines Verteidigers, wie dann vorgegebene Renditeziele hätten erreicht werden sollen, erwiderte er, diese seien gegebenenfalls nicht erfüllbar gewesen.
Vollnhals erklärte, als Vorsitzender des Vermögensverwaltungsrats des Bistums zwar so etwas wie einem Aufsichtsrat der diözesanen Finanzkammer vorgestanden zu haben. Auf Nachfrage zu geschäftlichen Details erklärte er indes mehrfach, sich nicht erinnern zu können oder damit nicht befasst gewesen zu sein.
Im Zentrum des Finanzskandals stehen 31 Darlehen aus dem Bistumsvermögen, die zwischen 2014 und 2016 an Immobilienentwickler in den USA ausgereicht wurden. Kirchliche Rücklagen von fast 60 Millionen US-Dollar waren ohne Absicherung in Darlehen angelegt worden. Laut Anklage wurde dabei ein Totalverlust in Kauf genommen. Angeklagt ist neben dem früheren Bistumsmitarbeiter ein Banker, der in den USA Immobilien entwickelt hat. Bisher hat das Bistum nach eigenen Angaben 35,25 Millionen US-Dollar aus den Darlehen zurückerlangt.
