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Bundesweit erstes Zentrum für Jüdischen Film in Potsdam eröffnet

An der Filmuniversität Babelsberg hat das neue Zentrum für Jüdischen Film eröffnet - als bundesweit erstes seiner Art. Was das Institut neben medialer Erinnerungskultur noch erforscht, erklärt die künftige Leiterin.

Das bundesweit erste Zentrum für Jüdischen Film und Audiovisuelles Erinnern hat an der Filmuniversität Babelsberg in Potsdam seine Arbeit aufgenommen. Das neue Institut soll durch seine Forschung öffentliche Debatten versachlichen, sagte Universitätspräsidentin Susanne Stürmer am Mittwochabend bei der Eröffnungsfeier.

Es sei eine der Aufgaben von Hochschulen, mit den Mitteln der Wissenschaft und Kunst Beiträge zum gesellschaftlichen Diskurs zu liefern, so Stürmer. Das gelte für die jüdische Erinnerungskultur, aber auch etwa für andere Bereiche wie die deutsch-deutsche Geschichte.

Inhaltlich will sich das neue Institut, das künftig von der Filmwissenschaftlerin Lea Wohl von Haselberg geleitet wird, auf drei Schwerpunkte fokussieren: jüdische Filmforschung, audiovisuelle Erinnerungskultur und den Bereich Antisemitismus und Film. In einer Zeit, in der Erinnerung vielfach medial vermittelt wird, habe kritische Erinnerungsarbeit das Potenzial, die Widerstandsfähigkeit einer demokratischen Gesellschaft zu stärken.

Für die Forschung am neuen Zentrum seien dabei besonders Filme relevant, "die sich dezidiert oder am Rande mit jüdischer Geschichte und Gegenwart, mit jüdischer Erfahrung beschäftigen", sagte Wohl von Haselberg im Vorfeld der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Im Fokus stünden Werke, "die Themen verhandeln, die relevant für die jüdische Diaspora sind oder die von unterschiedlichen Publika als jüdisch verstanden wurden oder werden".

Jüdische Filmgeschichte verstehe sich als eine Schnittstelle von Filmgeschichte und jüdischer Geschichte und Erfahrung. Dabei möchte das Institut neben Filmen selbst auch Produktionszusammenhänge, Filmschaffende und Arten von Filmvorführungen untersuchen.

Ein weiterer Schwerpunkt in der Forschung sei auch der filmische Umgang mit dem Holocaust. Die Auseinandersetzung damit finde aber nicht nur in Spiel- und Dokumentarfilmen statt, so Wohl von Haselberg, "sondern auch in den vielen Projekten, die videographierte Zeugnisse von Überlebenden aufgezeichnet haben". Das Zentrum untersuche aber auch Erinnerungskulturen jenseits der Schoah.

Der Aufbau des Zentrums wird im Rahmen des Hochschulvertrags mit dem brandenburgischen Wissenschaftsministerium aus Landes- sowie aus Drittmitteln finanziert. Die Filmuniversität Babelsberg wurde 1954 als Deutsche Hochschule für Filmkunst gegründet und 2014 in eine Filmuniversität umgewandelt. Derzeit sind rund 960 Studierende eingeschrieben.