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Türkische und arabische Jungen an Schulen häufig diskriminiert

Bestimmte junge Menschen haben offenbar ein erhöhtes Risiko für Rassismus-Erfahrungen an Schulen. Forscherinnen pochen darauf, dass sich die Einrichtungen stärker auf ihre Situation einstellen müssten.

Auch an Schulen erleben Kinder und Jugendliche rassistische Ungleichbehandlung: Das zeigt ein am Mittwoch vorgestelltes Papier des Mediendienstes Integration. Besonders stark betroffen sind demnach Schülerinnen und Schüler, deren Familien aus der Türkei oder arabischsprachigen Ländern eingewandert sind - sie berichten häufiger von persönlicher Diskriminierung als diejenigen, deren Familien ursprünglich aus Polen, dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion oder dem früheren Jugoslawien stammen. Zudem fühlen sich Jungen demnach stärker diskriminiert als Mädchen.

Ausgewertet wurden laut Angaben zahlreiche Studien mit hohen Datensätzen. Eine Mehrheit hat nach eigenen Angaben selten oder nie persönliche Diskriminierung erlebt. Allerdings sollte dies "nicht als Entwarnung missverstanden werden": Die Erfahrung betreffe vor allem junge Menschen, die als nicht der Mehrheit zugehörig wahrgenommen werden. Auch werde rassistische Diskriminierung nicht immer benannt.

Die Expertinnen des Berliner Instituts für Migrations- und Integrationsforschung, Aileen Edele und Sophie Harms, verweisen auf weitere Studien, denenzufolge Diskriminierung besonders häufig aufgrund der Hauptfarbe geschieht. Auch gegenüber Sinti und Roma gebe es massive Vorurteile. Diese Erfahrungen könnten sich negativ auf Selbstbild und Wohlbefinden auswirken. "Alle Schüler*innen haben das Recht auf einen diskriminierungsfreien Schulbesuch", mahnen die Forscherinnen.

Betroffene besuchten seltener ein Gymnasium und machten seltener Abitur - einigen experimentellen Studien zufolge, weil Lehrkräfte mitunter gleiche Leistung schlechter bewerten. Auch das Verhalten von Lehrerinnen und Lehrern könne dazu beitragen, dass Schülerinnen und Schüler mit Migrationsgeschichte sich weniger zutrauten und weniger gefördert würden.

Problematisch sei zudem "die geringe Anerkennung der Herkunftssprachen eingewanderter Familien": So sei es die Ausnahme, dass diese an Schulen als Fremdsprachen gelehrt würden. Angebote mit herkunftssprachlichem Unterricht seien von Bundesland zu Bundesland sehr unterschiedlich; an manchen Schulen seien Herkunftssprachen sogar verboten. "Selbstverständlich müssen auch für den Erwerb der deutschen Sprache ausreichend Lerngelegenheiten eröffnet werden", so die Autorinnen. Rund 40 Prozent aller Schülerinnen und Schüler haben demnach Migrationshintergrund.