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Gisèle Pelicot: Jedermann kann Täter sein, aber nicht alle sind es

"Ich war kein Ausnahmefall", sagt Gisèle Pelicot. Die Täter, die sie vergewaltigten, seien ganz verschieden gewesen: Es hätte theoretisch jeder sein können. Dennoch sei klar, dass nicht alle Männer so seien.

Als "Jedermänner mit dem Profil von Perversen" hat Gisèle Pelicot die Täter bezeichnet, die sie vergewaltigt haben. "Diese Männer könnten Ihr Nachbar sein, Ihr Bruder, Ihr Schwager", sagte Pelicot im Interview der "Nürnberger Nachrichten". "Sie waren zum Zeitpunkt der Vergewaltigungen zwischen 25 und 67 Jahre alt, hatten unterschiedliche soziale Hintergründe und Berufe, waren Familienväter, verheiratet, ledig."

Allerdings seien nicht alle Männer so, betonte die Französin. Durch den Gerichtsprozess hätten viele sich selbst hinterfragt. Zudem sei das Thema "chemische Unterwerfung als Instrument männlicher Dominanz" ins Licht gerückt worden. "Ich dachte früher, sogenannte K.o.-Tropfen würden Frauen nur in Diskotheken ins Glas gemischt, aber oft passiert es im familiären Umfeld", betonte sie. "Es ist ein weltweites Phänomen. Ich war kein Ausnahmefall."

Sie wolle ihren Ex-Mann Dominique Pelicot im Gefängnis besuchen, um Antworten zu bekommen, fügte sie hinzu. "Vielleicht wird er sie mir nicht geben, aber dieser Schritt ist wichtig, damit ich endgültig abschließen kann." Er wisse vermutlich, dass er sein Leben und das der gemeinsamen Familie zerstört habe. "Er hat sich für die Abgründe der menschlichen Seele entschieden."

Ihr neuer Lebenspartner hingegen gebe ihr Hoffnung, sagte Pelicot: "Selbst wenn man glaubt, dass alles zu Ende ist, geht es weiter. Wenn man das Glück hat, eine gute Person zu treffen, darf man nicht daran vorbeigehen." Sie und ihren neuen Partner verbinde, dass sie beide schwierige Dinge durchgemacht hätten. "Ich möchte die schönen Jahre, die mir bleiben, genießen." Mit ihrem Buch "Eine Hymne an das Leben", das im Februar erschienen ist, habe sie eine Botschaft der Liebe vermitteln wollen: "Denn Hass und Wut lösen nichts und bringen nichts."