Briefe an Goethe - Schreibtisch mit Geschichte wird versteigert
Historische Möbel, bekannte Namen - ein Bonner Auktionshaus versteigert Kulturgut. Warum die Sammlung jetzt verkauft wird.
Bonn (KNA) Bei einer Versteigerung kommen Stücke aus den Besitztümern bekannter Rheinromantiker unter den Hammer. Das Bonner Auktionshaus Plückbaum versteigert am Samstag unter anderem den Schreibtisch des Kölner Intellektuellen Sulpiz Boisserée (1783-1854). Der Kunstsammler gilt als bedeutendster Fürsprecher für die Vollendung des Kölner Doms. An dem Nussbaum-Schreibtisch verfasste er laut Auktionskatalog seine berühmten Briefe an Johann Wolfgang von Goethe.
Boisserées Witwe vermachte das Möbelstück einem Freund ihres Mannes, dem Dichter Karl Simrock (1802-1876). Elf weitere Objekte aus dessen Nachlass werden bei der Versteigerung angeboten. Bekannt ist der Philologe für seine Übertragung des Nibelungenlieds aus dem Mittelhochdeutschen. Diese Arbeit verrichtete er vermutlich an einem Sekretär, der ebenfalls unter den Hammer kommt. Versteigert wird zudem ein Hammerklavier des Komponisten und Beethoven-Schülers Ferdinand Ries (1784-1838), mit dem die Familie Simrock befreundet war.
Die Objekte waren zuletzt im Bonner Stadtmuseum ausgestellt. Da das Gebäude abgerissen wird, gingen die Leihgaben zurück an die Simrock-Erben. Die entschieden sich, die Sammlung versteigern zu lassen.
Von "etwas ganz Außergewöhnlichem" sprach Plückbaum-Geschäftsführerin Anna Katharina Kreyenborg vor der Auktion. Am Samstag wird die Sammlung zunächst als Ganzes zu einem Mindestpreis von 13.560 Euro aufgerufen. "Es ist uns ein großes Anliegen, dass dieser Nachlass zusammenbleibt", sagte Kreyenborg. "Das ist eine Art Kulturerbe, das wir hier versteigern dürfen." Sollte es keine Gebote geben, werden die Objekte einzeln versteigert. Der Boisserée-Schreibtisch startet bei 2.400 Euro.
