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Kirche lässt Missbrauch in geistlichen Gemeinschaften aufarbeiten

Vor allem junge Frauen berichten von Übergriffen: In zwei evangelischen Gemeinschaften soll es in den 1970er- und 1980er-Jahren zu geistlichem und sexuellem Missbrauch gekommen sein. Nun werden die Vorwürfe untersucht.

Die evangelische Landeskirche Hannovers lässt Vorwürfe sexualisierter Gewalt im Zusammenhang mit spirituellem Missbrauch in den geistlichen Gemeinschaften "Communität Koinonia" und "Geschwisterschaft Koinonia" wissenschaftlich aufarbeiten. Eine Forschungsgruppe der Universität Bremen unter Leitung der Religionswissenschaftlerin Gritt Klinkhammer nimmt in Kürze ihre Arbeit auf, wie die Landeskirche am Montag mitteilte. Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen Vorwürfe ehemaliger Mitglieder, insbesondere junger Frauen, die in den 1970er- und 1980er-Jahren innerhalb der Gemeinschaft sexualisierte Gewalt und spirituellen Machtmissbrauch erlebt haben sollen.

Die "Communität Koinonia" und die "Geschwisterschaft Koinonia" bestehen seit Mitte der 1970er-Jahre, haben ihren Hauptsitz im niedersächsischen Hermannsburg und unterhalten weitere Zweige unter anderem in Heidelberg sowie im südafrikanischen Mahikeng, zeitweise auch in Göttingen und Germerode. Die beiden eigenständigen geistlichen Gemeinschaften werden von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers gefördert.

Im besonderen Fokus der Vorwürfe steht der inzwischen gestorbene Pastor und Gründer der "Communität Koinonia". Gegen ihn war 2024 ein kirchliches Disziplinarverfahren wegen des Verdachts sexualisierter Gewalt eingeleitet worden, das wegen seines Todes eingestellt wurde.

Die Studie soll unter anderem klären, welche Formen von spirituellem Missbrauch, persönlichem Machtmissbrauch und struktureller Gewalt innerhalb der Gemeinschaften vorlagen und welche institutionellen Bedingungen diese begünstigt haben. Auch äußere kirchliche Strukturen sollen in den Blick genommen werden. An der Entwicklung des Forschungskonzepts waren den Angaben zufolge Betroffene beteiligt. Die Untersuchung ist auf zwei Jahre angelegt.

"Die enge Verbindung von spirituellem Missbrauch und sexualisierter Gewalt ist ein noch nicht ausreichend erforschtes Themengebiet", erklärte der Präsident des Landeskirchenamts, Jens Lehmann. Die bereits vorliegenden Schilderungen zeigten, wie sehr spirituell begründete Macht über andere Menschen bis in persönlichste Lebensbereiche hineinrage und zu sexuellem Missbrauch führen könne. Die Landeskirche will die Studie nach Vorlage laut eigenen Angaben zeitnah vollständig veröffentlichen.