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Alters-Experten fordern mehr Möglichkeiten der Teilzeitarbeit

Forderungen aus der Union, das Recht auf Teilzeit einzudämmen, haben eine heftige Debatte ausgelöst. Altersexperten ärgert besonders, dass von "Lifestyle-Teilzeit" die Rede ist. Die Arbeitswelt brauche mehr Flexibilität.

In der Debatte um Einschränkungen der Teilzeitarbeit warnt das Kuratorium Deutsche Altershilfe vor negativen Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesundheitssystem. "Teilzeit ist angesichts des Fachpersonalmangels und der Digitalisierung eine essenzielle Säule der Wirtschaft", erklärte Vorständin Alexia Zurkuhlen am Freitag in Berlin. Statt "populistischer Nebelkerzen" sei eine Neuausrichtung des Wirtschaftens auf die Bedürfnisse der Gesellschaft nötig.

"Wir beobachten in unserer Arbeit, dass Unternehmen sehr daran interessiert sind, Fachpersonal zu halten und dazu unter anderem flexible Teilzeitvereinbarungen treffen", erklärte sie. "Mit der Forderung nach Einschränkung der Teilzeit wird ein Misstrauensklima gegenüber Teilzeitarbeit geschaffen. Das ist ein verheerendes Signal." Wer pauschal Vorwürfe wie "Lifestyle-Teilzeit" erhebe, zeige eine tiefe Respektlosigkeit gegenüber den Menschen, die in Teilzeit arbeiteten, so Zurkuhlen. Dabei bewerteten Wissenschaftler gerade die Teilzeitarbeit als hoch effektiv.

Zurkuhlen verwies auf Menschen, die sich nebenberuflich für soziale Zwecke engagierten. Auch Eltern und Menschen, die privat eine Pflegeaufgabe übernähmen, benötigten Teilzeitarbeit. "Es liegt der Gedanke nahe, dass zum einen bürgerschaftliches Engagement nicht wertgeschätzt wird und zum anderen offenbar vor allem Frauen wieder an den Herd verbannt werden sollen", fuhr Zurkuhlen fort. Das sei ganz und gar nicht im Sinne der Wirtschaft - und auch nicht im Sinne der Gesellschaft.

Die KDA-Vorständin verwies in diesem Zusammenhang auf die Gesundheitsbranche: Medizinisches und pflegerisches Personal arbeite häufig in Teilzeit, unter anderem weil die Schichtarbeit zehre. "Da wir aber mehr und nicht weniger Fachpersonal benötigen, müssen wir hier innovativ denken und weitere Angebote schaffen. Wenn wir hier Teilzeitmöglichkeiten einschränken, komplementieren wir Fachpersonal raus und reduzieren zusätzlich Angebote für potenzielle Rückkehrer, die es dringend braucht." Auch mit Blick auf die Digitalisierung bräuchten Arbeitgeber und Arbeitnehmer künftig sehr viel mehr Flexibilität bei der Gestaltung der Arbeitszeit, sagte Zurkuhlen.

Nach Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung stieg die Teilzeitquote im 2. Quartal 2025 auf 40,1 Prozent und durchbrach damit erstmals die 40-Prozent-Marke; rund 16,97 Millionen Menschen arbeiteten in Teilzeit. Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion der Union hat einen Antrag an den CDU-Bundesparteitag veröffentlicht, in dem sie fordert, den allgemeinen Rechtsanspruch auf Teilzeit auf wenige "besondere Gründe" zu begrenzen: etwa auf Arbeitnehmer mit kleinen Kindern, pflegebedürftigen Angehörigen oder bei Weiterbildungen.