Sarah Mullally nun auch offiziell Erzbischöfin von Canterbury
Sarah Mullally, zuvor erste Bischöfin von London, ist nun auch offiziell Erzbischöfin von Canterbury. Als 106. Primas der anglikanischen Staatskirche von England schreibt sie Geschichte.
London (KNA) England hat nun erstmals offiziell eine anglikanische Erzbischöfin: Sarah Mullally (63), bislang anglikanische Bischöfin von London, ist am Mittwoch in der Londoner St. Paul's Cathedral offiziell in ihrem neuen Amt bestätigt worden. Als Nummer eins der Kirche von England folgt sie Erzbischof Justin Welby (70) nach. Als 106. Erzbischof von Canterbury bleibt die frühere Krankenpflegerin die höchstrangige weibliche Geistliche in der Geschichte der anglikanischen Staatskirche. Die offizielle Installation in Canterbury findet am 25. März in der dortigen Kathedrale statt.
Mullally ist die erste Frau als Nachfolgerin des heiligen Augustinus von Canterbury, der um 597 von Papst Gregor I. nach England gesandt wurde, um die Angelsachsen zu missionieren. Er war der Gründer der englischen Kirche, die seit der Reformation im 16. Jahrhundert nicht mehr katholisch ist, sondern protestantisch wurde.
Die gelernte Krankenpflegerin Mullally wechselte 1999 für fünf Jahre als Leiterin Pflege ins britische Gesundheitsministerium. 2001 erhielt sie die Diakonenweihe und 2006 die Priesterweihe. Im Juli 2015 wurde sie vom anglikanischen Primas Welby zur Bischöfin geweiht; in Exeter war sie Englands zweite Diözesanbischöfin. Seit 1987 ist Mullally verheiratet; sie hat zwei Kinder.
Als Bischöfin von London war sie seit 2017 nicht nur die Nummer drei in der anglikanischen Hierarchie nach den Erzbischöfen von Canterbury und York. Als einer von fünf "Geistlichen Lords" ist der Bischof von London geborenes Mitglied des Oberhauses. Zudem ist er auch Dekan der - rechtlich eigenständigen - königlichen Kapellen, was ihm einen privilegierten Zugang zur Royal Family gibt. Wegen dieser Nähe wird er auch als "the King's Bishop" bezeichnet.
Einen Bericht über nicht vorschriftsgemäßen Umgang mit einem Fall von sexuellen Verhaltens als Dienstvorgesetzte in London verfolgte die Kirche von England nicht weiter. Vor wenigen Wochen wurde der Fall zu den Akten gelegt, zum Unmut von Opfervertretern.
Die anglikanische Kirche entstand zur Zeit der Reformation in England. König Heinrich VIII. brach 1533 mit dem Papst, weil dieser sich weigerte, die Ehe des Königs zu annullieren. Als Oberhaupt einer neuen Staatskirche setzte sich Heinrich VIII. 1534 selbst ein. Weltweit zählt die anglikanische Kirche nach unterschiedlichen Angaben zwischen 77 und 85 Millionen Mitglieder.
Außerhalb Englands gibt es 42 anglikanische Kirchenprovinzen, darunter in den USA, Australien und in mehreren Ländern Afrikas, sowie fünf weitere Kirchen. Der englischen Mutterkirche steht der König als weltliches Oberhaupt vor. Geistliches Oberhaupt, Primas der Kirche von England sowie Ehrenoberhaupt der anglikanischen Weltgemeinschaft ist der Erzbischof von Canterbury.
