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"Ich bin das Kind, vor dem Hitler Angst hatte" - Bundestags-Gedenken

Sie war ein Kleinkind und der namenlose Häftling Nummer A-27633. Tova Friedman hat den Holocaust überlebt und jetzt in Berlin vor dem Bundestag von ihrem Schicksal berichtet - gegen einen gefährlichen Gedächtnisverlust.

Mit aufrüttelnden Worten hat die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einer Gedenkstunde des Bundestags an das Ende der Schoah vor 81 Jahren erinnert. "Ich bin das Kind, vor dem Hitler Angst hatte", sagte die 87-Jährige am Mittwoch. Hitlers Motto sei gewesen, dass keine Zeugen hinterlassen werden dürften. Sie spreche nun für die sechs Millionen Menschen, deren Stimmen zum Schweigen gebracht worden seien, betonte Friedman.

Sie gehöre zu einer kleiner werdenden Zahl an Überlebenden, die noch Zeugnis ablegen könnten. Es sollten keine alten Wunden aufgerissen, sondern ein "Gedächtnisverlust" verhindert werden, so Friedman. Denn die Geschichte habe gezeigt, dass es gefährlich sei, zu vergessen. Weil Zeugen überlebt hätten, habe die Wahrheit noch eine Stimme.

So unwahrscheinlich es auch gewesen sei: Ihre Mutter und sie überlebten Auschwitz, das größte Konzentrationslager der Nazis mit mehr als einer Million ermordeten Menschen. "Als wir Auschwitz verließen, Hand in Hand gehend, flüsterte sie mir zu: 'Erinnere dich.' Seither habe ich mich jeden Tag erinnert", sagte Friedman, die heute in den USA lebt. 150 Mitglieder der Familie ihrer Mutter seien ermordet worden, ihre Mutter sei die einzige Überlebende gewesen. Ihr Vater sei körperlich und seelisch gebrochen aus Dachau zurückgekehrt. "Er konnte kaum darüber sprechen."

Jährlich ehrt der Bundestag anlässlich des Holocaust-Gedenktags am 27. Januar die Toten und Überlebenden der nationalsozialistischen Verbrechen. Im vergangenen Jahr sprach der Holocaust-Überlebende Roman Schwarzman aus der Ukraine vor den Abgeordneten.