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Kassenärzte: Telefonische Krankschreibung lädt zum Missbrauch ein

Wird in Deutschland zu oft "krankgefeiert"? Ja, sagt der Chef der Kassenärzte. Und sieht zum einen Missbrauchsmöglichkeiten und zum anderen eine unnötige Belastung der Arztpraxen.

Ist bald Schluss mit der Krankschreibung via Telefon? Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, möchte sie abschaffen - genau wie die Pflicht, im Krankheitsfall in den ersten drei Tagen eine Bescheinigung der Arbeitsunfähigkeit vorzulegen, die sogenannte AU. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte zuvor ebenfalls für ein Ende der telefonischen Krankschreibung plädiert.

"Die telefonische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung lädt natürlich zum Missbrauch ein", sagte Gassen dem Berliner "Tagesspiegel": "Am Telefon kann doch niemand zuverlässig beurteilen, ob jemand wirklich arbeitsunfähig ist oder nicht. Das ist oft mitunter schon in der Praxis schwer, wenn jemand mit Kopfschmerzen erscheint. Bei manchen stimmt das, bei anderen ist es schlicht am Abend zuvor spät geworden."

Die Pflicht zur Bescheinigung der Arbeitsunfähigkeit innerhalb von drei Tagen verursache zudem jährlich rund 27 Millionen Arzt-Patienten-Kontakte, die medizinisch unnötig seien, so Gassen weiter: "Die ersten drei Krankheitstage sollten arbeitsvertraglich geregelt werden - wie es viele andere Länder tun. Ich bin Befürworter von Karenztagen oder Bonussystemen." Die Lohnfortzahlung im echten Krankheitsfall müsse aber bestehen bleiben, fügte er hinzu: "Sie ist auch wichtig, wenn Menschen wirklich krank sind. Aber sie war nie für leichte Erkältungen oder morgendliche Kopfschmerzen gedacht."