Schriftstellerin Slimani: Integration kann demütigend sein
In Frankreich zählt Leïla Slimani zu den bekanntesten Autorinnen der Gegenwart. Die Schriftstellerin, die französische wie marokkanische Wurzeln hat, äußert sich nun kritisch zum Thema Migration.
München (KNA) Bei der Integration können Migranten einen Teil ihrer Integrität verlieren - dieser Meinung ist die französisch-marokkanische Schriftstellerin Leïla Slimani. Die 44-Jährige sagte der "Süddeutschen Zeitung" vom Wochenende, wenn man gefallen wolle, müsse man werden wie die Leute vom neuen Ort. "Die sind misstrauisch, sie hören ganz genau hin, ob man die Sprache auch wirklich gut spricht, ob man einen Akzent hat, ob man die Nuancen in einem Witz versteht. Es ist demütigend." Man riskiere dabei, die Person zu verlieren, die man vorher gewesen sei, so die Literatin.
Slimani fügte hinzu: "Man fragt sich ständig: Aber was mache ich da? Ist es richtig, dass ich mich so verbiege? Mache ich das nur, um den anderen zu gefallen, oder gefällt es mir selber auch?" In den großen Debatten zur Immigration gehe dieser Punkt unter. "Vor allem die Politiker machen sich keine Vorstellung davon, wie anstrengend es ist, einzuwandern, wie schmerzvoll, wie körperlich, wie viel Zeit das braucht. Die denken: Man wandert ein, Punkt. Dabei dauert es oft zwei Generationen, bis man angekommen ist, bis man Franzose ist, Engländer, Deutscher."
Zu ihrer eigenen Identität als Französin und Marokkanerin erklärte die Autorin, diese sei eine Nichtidentität. "Natürlich ist es eine Nichtidentität. Die Leute sagen immer zu mir: Was für ein Reichtum, doppelt zu sein! Aber so ist das nicht, ich bin nicht doppelt - ich bin nichts."
