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Meldung

Theologin Käßmann: Nicht griesgrämig werden

Margot Käßmann nimmt eine Grundstimmung wahr, "die unsere ganze Gesellschaft in eine griesgrämige Haltung zu führen scheint". Lebensfreude und Humor gingen verloren. Sie mahnt auch Christen.

Die evangelische Theologin Margot Käßmann fordert die Menschen dazu auf, trotz zahlreicher Krisen nicht griesgrämig zu werden. Derzeit herrsche in Deutschland eine pessimistische Haltung nach dem Motto "Alles wird immer schlimmer", sagte Käßmann in einer Predigt zum Start der Vesperkirche in Stuttgart laut Manuskript. Sie spüre "eine Grundstimmung, die unsere ganze Gesellschaft in eine griesgrämige Haltung zu führen scheint, die nichts mehr bewegt, in der Lebensfreude und Humor verloren gehen".

Die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) mahnte auch Christinnen und Christen: "Griesgrämigkeit und Christsein vertragen sich nicht." Der Philosoph Friedrich Nietzsche (1844-1900) habe erklärt, er könnte vielleicht an den Erlöser glauben, wenn die Christen ein bisschen erlöster aussehen würden. "Also: Strahlen wir mal Glaubensfreude aus!", forderte die 67-jährige Theologin.

Käßmann, die von 1999 bis 2010 hannoversche Landesbischöfin war, sagte weiter, die Zeiten seien schwierig, gerade auch für Christen. Christsein sei heutzutage aus Sicht vieler Menschen "out", und wer sich zur Kirche halte, werde eher mitleidig belächelt.

Die Menschen lenkten sich stattdessen "mit tausenden Nichtigkeiten ab", wie etwa mit "Fotos von ihrem Mittagessen, der Frage, was sie anziehen sollen, irgendwelchen Influencerinnen, die aus Dubai Tipps zum Schlankwerden geben", so Käßmann. "Aber Zeit für die Frage nach dem Sinn des Lebens, nach Gott finden sie nicht." Stattdessen werde viel Geld für Entschleunigungsseminare ausgegeben. Da könnten die Kirchen mit Blick auf Gottesdienste sagen: "Entschleunigung findest du in ganz Deutschland jeden Sonntag um 10 Uhr - ohne Eintrittsgeld."