Forscher: Geschlecht bei medizinischer Forschung mehr berücksichtigen
Manche Therapien können bei Frauen anders wirken als bei Männern. Auch Symptome werden teils anders interpretiert. Ein internationales Team fordert daher, Unterschiede zwischen Geschlechtern besser zu berücksichtigen.
Augsburg (KNA) Wenn in der biomedizinischen und neurowissenschaftlichen Forschung Unterschiede zwischen den Geschlechtern nicht ausreichend berücksichtigt werden, kann dies Ergebnisse verzerren. Zu diesem Schluss kommt eine internationale Forschungsgruppe unter Beteiligung der Universität Augsburg, wie diese am Mittwoch mitteilte. Dabei könnten Therapien bei Frauen anders wirken als bei Männern oder Symptome unterschiedlich interpretiert werden.
Viele Jahre lang habe man Studien oft überwiegend an männlichen Probanden durchgeführt oder Unterschiede zwischen den Geschlechtern nicht systematisch ausgewertet, heißt es. Auch den Einfluss von sozialen und kulturellen Geschlechterrollen auf Gesundheit, Verhalten und Krankheitsverläufe habe man oft nicht berücksichtigt. Dabei könnten biologische Faktoren wie Hormone und Genetik sowie psychosoziale Faktoren wie Rollenbilder oder Gesundheitsverhalten entscheidend beeinflussen, wie Krankheiten entstehen, wahrgenommen und behandelt werden.
"Wenn wir Sex und Gender nicht mitdenken, riskieren wir blinde Flecken in der Forschung", erklärte die Mitautorin und Augsburger Professorin Miriam Kunz vom Lehrstuhl für Medizinische Psychologie und Soziologie. "Sex" meint das biologische Geschlecht einer Person, "Gender" das soziale Geschlecht, etwa gesellschaftliche Rollenbilder.
Die Gruppe hat daher 13 Empfehlungen an Forscher in diesem Bereich formuliert. So solle es unter anderem Standard werden, Männer und Frauen gleichermaßen als Probanden zu berücksichtigen und die Ergebnisse auch geschlechtsspezifisch auszuwerten.
