Forscher: Positiven Zufällen gerade in Krisenzeiten eine Chance geben
"Unverhofft kommt oft", sagt ein Sprichwort. Dies sollte man versuchen, positiv für sich zu nutzen, empfiehlt ein Experte für sogenannte Serendipität. Krisen könnten etwa Anlass geben, Sinn neu zu definieren.
Berlin/Los Angeles (KNA) Mehr Offenheit gegenüber Unvorhergesehenem ist nach Einschätzung eines Wissenschaftlers wichtig, um einem Zufall eine positive Wendung zu geben. Es sei sehr unterschiedlich, wie Menschen auf Zufälle reagierten. "Manche bleiben stecken, andere machen daraus etwas Neues, und diese Interaktion von Zufall und menschlichem Handeln führt dann zu diesem 'aktiven Glück'", sagte Serendipitätsforscher Christian Busch der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Berlin.
Das englische Wort "Serendipity" bedeutet so viel wie "Zufallsfund". Es geht auf das persische Märchen "Die drei Prinzen von Serendip" aus dem 14. Jahrhundert zurück, in dem es um die Offenheit gegenüber dem Zufall geht, was zu unvorhergesehenen positiven Ereignissen führt. Busch ist Wirtschaftsprofessor an der University of Southern California und hat das Buch "Erfolgsfaktor Zufall" geschrieben.
"Viele entscheidende Weichenstellungen beginnen mit etwas Kleinem und Ungeplantem, einem verpassten Treffen, einem Zufallsgespräch, einem Missgeschick. Der Zufall ist oft der Auslöser. Entscheidend ist, was wir danach tun", sagte Busch. So seien einige der interessantesten Entdeckungen nur zustande gekommen, weil etwas nicht optimal funktionierte - das Penicillin etwa sei erfunden worden, weil eine Petrischale mit einem Schimmelpilz verunreinigt war.
"Wir können uns besser für positive Zufälle positionieren, zum Beispiel indem wir uns in interessante Communities begeben oder indem wir Haken setzen, also in Konversationen Dinge erwähnen, bei denen die andere Person 'unerwartete' Überschneidungen haben könnte", sagte Busch. Als Beispiel nannte er, auf einer Party bei der eigenen Vorstellung bestimmte Vorlieben oder Hobbys zu nennen - um sich dem unbekannten Gesprächspartner auf unvorhergesehene Weise zu nähern und Anknüpfungspunkte zu finden.
Besonders in Krisenzeiten sollte man dem Zufall eine aktive Chance geben, betonte Busch. Krisen zeigten, "wie fragil vieles ist. Ich habe das in meinem eigenen Leben oft gesehen, durch Nahtoderfahrungen oder auch das Abbrennen unseres Hauses bei den Waldbränden in L.A.. Gleichzeitig können sie Momente sein, in denen neue Wege entstehen, gerade weil alte nicht mehr funktionieren." Krisen könnten Anlass sein, Sinn neu zu definieren und aktiv zu gestalten, was im eigenen Einflussbereich liegt.
