Datenanalyse: Senioren verlieren finanziell den Anschluss
Der Ruhestand bringt finanzielle Einbußen gegenüber dem Erwerbsleben mit sich. So weit, so klar. Doch die finanzielle Kluft zwischen Senioren und der Gesamtbevölkerung wächst, wie neue Daten des Statistikamtes belegen.
Osnabrück (KNA) Die Einkommensschere zwischen der älteren Generation und der Gesamtbevölkerung in Deutschland geht weiter auseinander. Vor allem Hochbetagte verlören finanziell den Anschluss, berichtet am Freitag die "Neue Osnabrücker Zeitung" auf Basis von Daten des Statistischen Bundesamtes, die die Partei Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) angefragt hatte.
Demnach stieg das durchschnittliche Nettoäquivalenzeinkommen der Gesamtbevölkerung zwischen 2022 und 2024 um rund 11,5 Prozent. Senioren über 75 Jahren verzeichneten im selben Zeitraum ein Plus von 7,7 Prozent. Das Nettoäquivalenzeinkommen ist ein gewichtetes Pro-Kopf-Einkommen, das Haushalte unterschiedlicher Größe und Zusammensetzung vergleichbar macht.
In absoluten Zahlen: Lag das Durchschnittseinkommen von über 75-Jährigen 2022 noch rund 4.100 Euro unter dem Bundesdurchschnitt, so hat sich dieser Abstand laut Bericht 2024 auf mehr als 5.500 Euro vergrößert. Konkret verfügten Senioren über 75 aktuell über ein durchschnittliches Jahreseinkommen von 26.316 Euro; der Schnitt der Gesamtbevölkerung liege bei 31.856 Euro. Auch bei der Gruppe der über 65-Jährigen sei das Minus zum Gesamtdurchschnitt von rund 3.600 Euro (2022) auf knapp 4.500 Euro (2024) angewachsen.
Der BSW-Politiker Fabio De Masi beklagte einen sozialen Abstieg der Rentner in Deutschland. Altersarmut sei "sozialer Sprengstoff" für das Land, sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung". De Masi forderte eine Reform nach österreichischem Vorbild, wo die Durchschnittsrente deutlich höher sei.
