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Expertin: So können Eltern mentale Belastung von Kindern erkennen

Weniger essen und weniger lachen: Psychische Krisen bei jungen Menschen sind nicht leicht festzustellen. Eine Initiative nennt Eltern und anderen Bezugspersonen konkrete Anhaltspunkte aus dem Alltag.

Mentale Belastungen entwickeln sich oft schleichend - und werden gerade im jungen Lebensalter selten erkannt. Bemerkbar machen sie sich "im Weniger werden", sagt Alix Puhl, Gründerin der Organisation tomoni health, im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Konkret bedeute das: weniger Essen, weniger schlafen, weniger Fröhlichkeit, vielleicht mangelnde Körperhygiene.

Ähnliches gelte für das Gegenteil, erklärt Puhl, die ihre Hilfsorganisation nach dem Suizid ihres Sohns vor sechs Jahren gegründet hat: plötzlich total überdreht sein, Leistungsdruck, viel mehr essen und schlafen. Letztlich gehe es darum, auffallende Veränderungen zu bemerken - "wo man das Bauchgefühl hat: Etwas stimmt hier nicht." In solchen Fällen sei es sinnvoll, die Person mit einer Ich-Botschaft anzusprechen, etwa: "Ich habe das Gefühl, dass sich etwas verändert hat." Ebenfalls hilfreich sein könne folgende Formulierung: "Ich mache mir Sorgen. Du bist mir wichtig." Dann gehe es ums Zuhören, ohne voreilig zu urteilen.

Am Ende stehe die Frage: Braucht es jemanden, der zuhört - oder ist professionelle Unterstützung nötig? Zunächst könnten Spaziergänge oder leichter Sport helfen, sagt Puhl. "Man weiß, dass leichter Sport bei leichten Depressionen genauso gut hilft wie Tabletten oder Therapie."

Sollte das Erzählte bedenklich klingen, ermuntert die Expertin dazu, Suizidalität anzusprechen, ganz direkt mit der Frage: "Hast du schon einmal daran gedacht, dir das Leben zu nehmen?" Generell gelte bei psychischen Belastungen, sie am besten direkt zu thematisieren. Mit Ausnahme von selbstverletzendem Verhalten - in diesem Fall sei schnelle Versorgung geboten. Danach gehe es ebenfalls ums Zuhören ohne Vorwürfe.

Etwa bei schweren Depressionen könne es für Angehörige wichtig sein, sich Unterstützung zu holen, etwa im Freundeskreis. Für das ganz nahe Umfeld seien schwere Depressionen allein oft schwer zu ertragen.