Arzt und Kabarettist von Hirschhausen fordert "Kältenetz" für Köln
Sprühnebel, kleine Parks, Schattenorte: Köln muss sich besser gegen Hitze wappnen, meint Eckart von Hirschhausen. Er drängt auf mehr Tempo bei der Klimaanpassung.
Köln (KNA) Der Arzt, Kabarettist und Wissenschaftsjournalist Eckart von Hirschhausen (58) hat ein sogenanntes Kältenetz für Köln vorgeschlagen. "Damit Köln hitzeresilienter wird und auch in Zukunft cool bleibt, braucht es dringend Anpassung", erklärte er dem "Kölner Stadt-Anzeiger" (Dienstag). "Im Karneval sind die Kölner fähig, in kurzer Zeit sehr viel Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Dazu sollten sie auch ihre Stadt befähigen."
Für ein Kältenetz braucht es nach von Hirschhausens Auffassung viel mehr städtisches Grün. Auch kleine sogenannte Pocket Parks könnten helfen sowie eine stärkere Begrünung von Dächern und Fassaden. "Und für alle, die bei Hitze draußen sind oder sein müssen, braucht es öffentliche Orte zum 'Chillen', was wörtlich ja nichts anderes meint als abkühlen."
Vor allem für Krankenhäuser, Altenpflegeheime, Kitas und Schulen sei ein Kältenetz dringend nötig, so von Hirschhausen. "Jeder Stadtbewohner sollte wissen, wer in seiner Nachbarschaft besonders hitzegefährdet ist, und gerade bei älteren Menschen mit Vorerkrankungen nachsehen, dass sie genug trinken, die Wärme möglichst gar nicht in die Wohnung lassen und rettende Orte kennen, eine alte Kirche, ein schattiger Friedhof oder auch ein Museum zur Kühlung."
Er verwies auf Erfahrungen aus Paris, wo für die Olympischen Spiele 2024 ein solches Netz geschaffen worden sei. Sein absolutes Highlight seien dort Stationen mit feinem Sprühnebel gewesen, die es mittlerweile auch in Köln gebe.
Laut von Hirschhausens Einschätzung drohen der dicht bebauten Domstadt deutlich mehr Hitzetage und Tropennächte als dem Umland. In Köln passiere viel draußen auf den Straßen, in den Cafés, rund um den Dom und am Rhein. Dieses besondere Lebensgefühl sei massiv gefährdet, warnte er. Die Stadt habe zwar mit Hitzeschutzmaßnahmen begonnen, nun brauche es aber mehr Tempo sowie eine Kombination aus öffentlicher Förderung und privaten Investitionen.
Hirschhausen ist Gründer der Stiftung "Gesunde Erde - Gesunde Menschen" und Mitglied im Nachhaltigkeitsbeirat Nordrhein-Westfalens.