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Meldung

Historiker sieht Reparationsforderungen aus Polen skeptisch

Die Debatte um die polnischen Reperationsforderungen geht weiter. Osteuropa-Historiker Aust glaubt dennoch nicht an eine Durchsetzung.

Eine Durchsetzung der Reparationsforderungen Polens an Deutschland hält der Bonner Osteuropa-Historiker Martin Aust für "sehr unrealistisch". Aus ethischer Sicht sei das polnische Ansinnen zwar durchaus nachvollziehbar, räumte Aust in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) ein. Aber der Verlauf der Geschichte und der Wandel des Völkerrechts stünden dem entgegen.

In Polen nahm die Debatte über Reparationszahlungen von Deutschland für die im Zweiten Weltkrieg verursachten Verluste und Verbrechen unterdessen an Schärfe zu. Zuletzt hatte das polnische Parlament, der Sejm, ein Rechtsgutachten veröffentlicht, das entsprechende Forderungen stützt. Unterdessen riefen die katholischen Bischöfe beider Länder zur Mäßigung auf.

Die Stimme der Kirche habe Gewicht, besonders für Polens alleinregierende PiS-Partei, so Aust. "Der Katholizismus und eine nationalkonservative Politik stehen dort ganz oben auf der Agenda." Wie sehr beide Elemente ineinanderfließen, zeige das Grab von Parteimitgründer Lech Kaczynski in der Warschauer Wawel-Kathedrale: "Das ist zu einer regelrechten Pilgerstätte geworden."

Das Sejm-Gutachten hebt unter anderem auf eine Erklärung des polnischen Ministerrates vom 23. August 1953 ab, in der Polen einseitig auf Reparationen verzichtete. Dieses Dokument sei auf Druck der Sowjetunion zustande gekommen und habe sich nur auf die DDR bezogen, heißt es in der Studie. Die Wortwahl sei nicht eindeutig, sagte Aust. Mal sei von "Deutschland", mal von der "Deutschen Demokratischen Republik" die Rede. "Nach Ansicht des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages bezog sich die Erklärung von 1953 aber auf Deutschland als gesamtes."