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Experte: Kirchen müssen sich zu Digitalisierung positionieren

Kirche und Digitalisierung - das Thema wird seit längerem kontrovers diskutiert. Theologe Charbonnier hat hierzu eine klare Meinung.

Berlin (KNA) Der evangelische Theologe Ralph Charbonnier wirbt für eine stärkere Auseinandersetzung der Kirchen mit Fragen der Digitalisierung. Sie müssten sich etwa zur "Kommunikation in sozialen Medien, zu algorithmusunterstützten Entscheidungen im Finanzsystem und in Operationsrobotern wie auch zur Arbeit 4.0 äußern", schreibt er in einem Gastbeitrag für die "Zeit"-Beilage "Christ & Welt". Für die eigenen Institutionen gelte es zu entscheiden, ob etwa "Webtracking" genutzt werden solle, um Mitglieder zielgerichtet anzusprechen.

Schon heute sei jeder Mensch weltweit jederzeit von schätzungsweise 140 Sensoren umgeben, so Charbonnier, der das Referat für Sozial- und Gesellschaftspolitik der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) leitet. Diese Sensoren interpretierten die Wirklichkeit, und diese Interpretationsprozesse müssten wiederum diskutiert werden. Die Digitalisierung theologisch zu verstehen heiße, die "spezifische Weise des Wahrnehmens, Interpretierens und Wirkens" zum Beispiel durch digitale Sensorik und Datenverarbeitung zum Gegenstand theologischer Interpretation zu machen.

Die Digitalisierung könne ein Gewinn sein, "wenn die digitale Sicht auf das Leben neben andere Sichtweisen, darunter auch die Glaubensperspektive, gestellt wird und diese nicht zu ersetzen versucht". Der Glaube dürfe nicht zu blindem Vertrauen auf statistische Daten werden. Aber: "Warum sollte es nicht im Einklang mit dem Heiligen Geist stehen, logische Schlüsse aus einer Vielzahl von Daten oder allgemeinen Regeln zu ziehen?"

Problematisch werde es, wenn jemand sich allein auf diese Schlüsse verlasse, so Charbonnier. Eine Herausforderung sei die Frage, wie sich Entscheidungsvorbereitung durch Algorithmen und verantwortete Freiheit verbinden ließen.