• Afghanistan
  • Konflikte
Meldung

Mehr als 1.600 tote Zivilisten in Afghanistan seit Januar

Die Diskussion über die Sicherheitslage in Afghanistan geht weiter - insbesondere über die Frage, inwieweit Abschiebungen in das Land zu rechtfertigen sind. Die UN berichten von einem neuen Höchststand bei zivilen Opfern.

Kabul (KNA) Die Sicherheitslage in Afghanistan hat sich laut einem Bericht der UN-Mission in Afghanistan (Unama) deutlich verschlechtert. Die Zahl ziviler Opfer des Bürgerkriegs habe im ersten Halbjahr 2017 einen neuen Höchststand erreicht, teilte Unama in Kabul mit. Die UN-Organisation machte dafür auch gewaltsame Auseinandersetzungen mitten in dicht bevölkerten Gebieten verantwortlich.

Zwischen Anfang Januar und Ende Juni wurden bei Gefechten und Anschlägen 1.662 Zivilisten getötet. Das waren zwei Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Zugleich wurden 3.581 weitere Personen verletzt, ein Rückgang um ein Prozent.

Laut UN-Bericht gehen 1.141 oder 67 Prozent der getöteten Zivilisten auf das Konto von Anti-Regierungs-Gruppen, darunter 43 Prozent als Opfer der Taliban, 5 Prozent als Opfer des IS. Den Regierungstruppen schreibt der Bericht 327 zivile Opfer zu, ein Rückgang um 21 Prozent. Bei den übrigen Todesfällen lassen sich die Täter nicht eindeutig zuordnen.

Etwa 40 Prozent der Opfer wurden demnach mit selbstkonstruierten Waffen bei Selbstmordattentaten oder Bombenanschlägen von Extremistengruppen getötet. Allein bei der Explosion einer in einem Lkw deponierten Bombe am 31. Mai in Kabul kamen 92 Zivilisten ums Leben, fast 500 wurden verletzt. Es war laut Unama der schwerste Vorfall seit 2001.

Laut Bericht stieg auch die Zahl getöteter Frauen und Kinder nach einem Rückgang 2016 wieder an. So wurden im ersten Halbjahr 174 Frauen getötet - 23 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. 462 Frauen wurden verletzt. Bei den Kindern stieg die Zahl der Getöteten um ein Prozent auf 436. Seit Beginn der UN-Zählung Anfang 2009 wurden laut Unama mehr als 26.500 Zivilisten in Afghanistan getötet und fast 49.000 weitere verletzt.

Der Leiter der Unama-Mission, Tadamichi Yamamoto, appellierte an die Taliban, von Attentaten auf Zivilisten abzusehen. Auch an die Regierungskräfte richtete sich der Appell, in bewohntem Gebiet keine schweren Waffen einzusetzen.