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Essener Generalvikar plädiert für mehr Ökumene

Der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer ist der Meinung, beide Kirchen sollten sich weniger mit sich selbst beschäftigen und mehr danach fragen, was die Menschen tatsächlich bewege.

Essen (KNA) Der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer ruft die großen Kirchen dazu auf, ökumenische Differenzen auszuräumen. "Wir haben eine gemeinsame Verantwortung, dass das Christentum in dieser Gesellschaft überlebt", sagte er vor Journalisten in Essen. Anstatt sich "ständig mit uns selbst und unseren diffizilen Problemen" zu befassen, sollten die Kirchen danach fragen, was die Menschen heute tatsächlich brauchen und wo die aktuellen Probleme liegen. Sonst bestehe die Gefahr, dass der Zugang zu ihnen verloren gehe, was "fatal" wäre.

Der Geistliche äußerte sich anlässlich der Vorstellung seines Buches "Christsein ist keine einfache Angelegenheit", in dem er seine Prägung durch den evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer (1906-1945) beschreibt. Bonhoeffer habe schon sehr früh die Gefahren des Nationalsozialismus erkannt und davor gewarnt. Dennoch seien sehr viele Christen auf die NS-Ideologie hereingefallen.

"Wir können ja daraus lernen für die Entwicklungen, die wir heute erleben", so der Generalvikar. Die Gesellschaft drifte an manchen Stellen "in Extreme" und "sehr rechte Tendenzen" ab. Populistische Kräfte böten vereinfachende Thesen angesichts gravierender Probleme einer globalisierten Welt. Umso wichtiger sei es, dass die Christen hier ihre Stimme erheben und für gemeinsame Werte einstehen.

Weiter verwies der Theologe auf Bonhoeffers Visionen einer Kirche der Zukunft, die "erstaunlich aktuell" seien. Seine Persönlichkeit, Gedanken und Schriften prägten ihn schon seit seiner Zeit als Theologiestudent, sagte der 53-Jährige. Es sei ein schönes Zeichen im Jahr des Reformationsgedenkens, "dass ich mich als Katholik von einem protestantischen Theologen inspirieren lasse, der selbst vor 70, 80 Jahren für sich selber entdeckt hat, dass Kirche tatsächlich nur als eine ökumenische Kirche überlebensfähig ist". Unterschiede etwa im Amts- und Sakramentenverständnis seien für die Menschen an der Basis zweitrangig, sagte Pfeffer. Daher müssten sich die Verantwortlichen jetzt "wirklich auf den Hosenboden setzen", um solche Differenzen zu überwinden.