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Franziskus reist als erster Papst nach Kairo

Spekulationen gab es lange, nun bestätigt der Vatikan: Franziskus reist Ende April als erster Papst nach Kairo. Dort trifft er auch einen Großimam. Die Lage der Christen in Ägypten ist alles andere als rosig.

Vatikanstadt (KNA) Papst Franziskus besucht am 28. und 29. April Kairo. Es handelt es sich um den ersten Besuch eines römisch-katholischen Kirchenoberhaupts in der ägyptischen Hauptstadt. Der Papst reise auf Einladung des ägyptischen Staatspräsidenten Abdel Fattah al-Sisi, der katholischen Bischöfe, des koptischen Patriarchen Tawadros II. und des Großimams der islamischen Hochschule Al-Azhar, Scheich Ahmed Mohammed al-Tayyeb, in das nordafrikanische Land, teilte das vatikanische Presseamt am Samstag mit. Einzelheiten des Programms sollten später bekanntgeben werden, hieß es.

Religionspolitisch bedeutsam wird die Reise vor allem durch das Treffen des Papstes mit Großimam al-Tayyeb. Die von ihm geleitete traditionsreiche Universität gilt als Lehrautorität im sunnitischen Islam, dem die Mehrheit der Muslime weltweit angehört. Ob die Begegnung an der al-Azhar-Universität selbst erfolgt, wurde noch nicht bekanntgegeben, steht aber zu erwarten. Der Dialog zwischen dem Vatikan und der al-Azhar lag jahrelang auf Eis.

Mitte Februar hatte eine hochrangige Delegation des Vatikan mit Al-Azhar-Vertretern über Strategien gegen religiösen Extremismus beraten und damit den vor sechs Jahren unterbrochenen Dialog offiziell wiederaufgenommen. Der Leiter des päpstlichen Rats für den interreligiösen Dialog, Kardinal Louis Tauran, sprach dabei von einer "neuen Phase" des Kontakts.

Für einen ersten Durchbruch hatte Mai vergangenen Jahres ein Besuch al-Tayyebs bei Papst Franziskus gesorgt. Nach diesem vom Vatikan als historisch bezeichneten Treffen war eine Wiederaufnahme des Dialogs vereinbart worden. Dazu gab es mehrere Vorbereitungstreffen.

Ein 1998 begonnener theologischer Austausch zwischen der Al-Azhar-Universität in Kairo und dem Vatikan wurde 2011 von ägyptischer Seite abgebrochen. Grund war die Forderung von Benedikt XVI. (2005-2013) nach einem besseren Schutz für koptische Christen vor Terror und Gewalt.

In Ägypten stellen sunnitische Muslime die Bevölkerungsmehrheit. Der Anteil koptischer Christen, deren Ursprünge auf die frühesten Zeiten des Christentums zurückgehen, wird auf etwa 10 Prozent geschätzt. Die gegenwärtige Gesellschaft ist von islamistischen Tendenzen geprägt. Seit Ende 2010 wurden koptische Kirchen wiederholt zum Ziel von Anschlägen islamistischer Extremisten. Die Zahl der Katholiken unter den rund 94 Millionen Einwohnern gibt der Vatikan mit 240.000 an.