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Meldung

Adveniat-Chef befürchtet Domino-Effekt durch Trump

Der Chef des Lateinamerika-Hilfswerks fürchtet den Bau einer Mauer zwischen Mexiko und den USA. Denn er sieht die große Gefahr, dass weitere Mauern zwischen anderen Ländern folgen könnten.

Bonn (KNA) Der scheidende Adveniat-Hauptgeschäftsführer, Prälat Bernd Klaschka, befürchtet durch den angekündigten Mauerbau von US-Präsident Donald Trump einen möglichen Domino-Effekt. "Der Mauer zwischen den USA und Mexiko könnten Mauern etwa zwischen Mexiko und Guatemala folgen", sei es in wörtlichem oder in übertragenem Sinne, sagte Klaschka im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Dann drohe in der Frage der Migrationsströme die Mentalität: "Das Hemd ist mir näher als die Jacke." Eine Solidarisierung etwa zwischen Mexiko und Guatemala, El Salvador oder Honduras sehe er nicht am Horizont.

Die Mexikaner rechneten damit, dass bis Jahresende noch 300.000 Menschen aus den USA abgeschoben werden, sagte Klaschka. Jene in Mexiko und anderen mittelamerikanischen Staaten, die jetzt Arbeit haben, befürchteten, ihre Jobs zu verlieren, wenn die Migranten aus den USA zurückkommen. "Das birgt ein großes Konfliktpotenzial", so der Adveniat-Chef. Zudem seien die sogenannten Rücküberweisungen aus den USA in Gefahr, also jene Gelder, die die Migranten aus den USA ihren Familien in Mexiko, El Salvador, Honduras oder Guatemala schicken. Diese seien für unzählige Familien "lebenswichtig".

Mit Sorge blickt Klaschka auch auf die einstigen Tigerstaaten Argentinien und Brasilien. Die dortigen Regierungen hätten versäumt, den Aufschwung beizeiten den Benachteiligten zugutekommen zu lassen und mehr Gerechtigkeit in den Einkommensverhältnissen zu schaffen. Nun rutschten viele wieder in die Armut zurück. Auf Dauer könnte der innerstaatliche Frieden dort gefährdet werden, befürchtet Klaschka, "insbesondere durch die weit verbreitete Korruption, die immer deutlicher zutage tritt".

Klaschka gibt Anfang März nach fast 13 Jahren die Leitung des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat ab. Ab Sommer will sich der 70-Jährige der Krankenhausseelsorge widmen und Kranke und Angehörige mit seinen Erfahrungen von den indigenen Menschen Lateinamerikas begleiten.