• Deutschland DEU
  • Kirche
  • Bundestag
  • Religion
Meldung

Christen müssen sich bei politischen Fragen äußern

Der Kölner Theologe Höhn ist ganz entschieden der Meinung, dass Christen sich in politische Debatten einmischen müssen. Gerade die Kirchen hätten das Gemeinwohl im Auge statt Partikularinteressen.

Bonn (KNA) Der Kölner Theologe Hans-Joachim Höhn hat sich für eine Beteiligung von Christen in politischen Debatten ausgesprochen. Wenn sich Bischöfe, Vertreter des Zentralkomitees der deutschen Katholiken oder Mitglieder von Pax Christi in die Politik "einmischen", äußerten sie sich "als stimmberechtigte Akteure der Zivilgesellschaft und nehmen ein demokratisches Grundrecht in Anspruch", sagte er dem Internetportal katholisch.de in Bonn.

Auch der Aachener Bischof Helmut Dieser hatte in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) gesagt, es sei "wünschenswert, wenn überzeugte Christen in der Politik ihre Meinung einbringen und auch Diskussionen anstoßen".

Höhn, der Professor für Systematische Theologie und Religionsphilosophie an der Universität Köln ist, reagierte auf Äußerungen des Vizepräsidenten des Deutschen Bundestages, Johannes Singhammer (CSU). Der Politiker hatte in einem Gastbeitrag der Zeit-Beilage "Christ und Welt" die Kirchen zu mehr Zurückhaltung in politischen Fragen aufgefordert. Kaum eine Entscheidung des Bundestages oder der Regierung bleibe unkommentiert, sagte er.

Singhammer vertrete eine bemerkenswert merkwürdige Auffassung, so Höhn. Es sei entscheidend christlich, für das einzutreten, was über alle Einzelinteressen hinaus alle Menschen eine und in Anspruch nehme. Lobbyisten wollten davon nichts wissen. "Sie haben den Begriff 'Gemeinwohl' verabschiedet und durch 'Systemrelevanz' ersetzt." Viele Politiker kämen ihnen dabei entgegen und verstünden ihre Aufgabe nur noch als Aushandeln von Kompromissen, die systemrelevante Einzelinteressen befriedigen.

Außerhalb der Kirchen gebe es aktuell nur wenige Akteure, die Gemeinwohlbelange vertreten. "Solange dies der Fall ist, begrüße ich kirchliche Wortmeldungen zur Energiewende, zur Flüchtlingskrise und zu Rüstungsexporten", so Höhn.