• Deutschland DEU
  • Kirche
  • Medizin
  • Gesellschaft
Meldung

Katholische Kirche kritisiert erste Kinderwunsch-Tage

In Berlin findet die erste Kinderwunsch-Messe statt. Bei allem Verständnis für Paare, die sich Kinder wünschen, sieht die Kirche diese Veranstaltung doch sehr kritisch.

Berlin (KNA) Die katholische Kirche warnt vor Anbietern auf der ersten Kinderwunsch-Messe in Berlin, die mit "ethisch nicht vertretbaren und in Deutschland verbotenen reproduktionsmedizinischen Techniken" werben. "Sie wollen offensichtlich an der anonymen Samenspende, der Eizellspende oder der Leihmutterschaft verdienen", kritisierte Bischof Gebhard Fürst, der Vorsitzende der Unterkommission Bioethik der Deutschen Bischofskonferenz, im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Bei allem Verständnis für Paare mit Kinderwunsch sei so ein kommerzielles Format nicht der angemessene Rahmen.

Die Eizellspende etwa sei mit massiven Eingriffen in die körperliche Unversehrtheit der Spenderin verbunden, so Fürst: "Wir wissen aus Ländern, in denen diese Technik erlaubt ist, dass eine Ausbeutung von Frauen in prekären Verhältnissen droht." Zudem sei nicht auszuschließen, "dass sogar Embryonen mit bestimmten ausgesuchten Eigenschaften für die Adoption hergestellt und zu entsprechenden Preisen angeboten werden".

Andere Angebote wie "Vollchromosomen Screening" oder "individuelle Präimplantationsdiagnostik" dienten vor allem dazu, Leben, das nicht einer bestimmten Norm entspreche, im Frühstadium auszusondern, warnte der Bischof weiter: "Diese Art von Selektion ist ethisch verwerflich und abzulehnen."

Auch Leihmutterschaft sei "ein ethisch völlig inakzeptables Mittel, einen Kinderwunsch zu erfüllen" und ein Angriff auf die Menschenwürde aller Beteiligten: "Sie instrumentalisiert die Frauen, die sich oft aufgrund wirtschaftlicher Zwänge gedrängt sehen, ihren Körper zur Verfügung zu stellen. Sie behandelt Kinder wie Objekte, über die Verträge abgeschlossen werden."

Aus Sicht der Kirche sei es ein nachvollziehbarer Wunsch, Kinder zu bekommen, ergänzte Fürst: "Aber wir müssen auch anerkennen, dass das menschliche Leben Grenzen hat und dass sein Entstehen unverfügbar ist." Auch in anderen Bereichen gebe es oft Pläne und Wünsche, die nicht realisiert werden könnten.

Die Messe, so Fürst, solle Anlass sein für eine intensivere Debatte über neue reproduktionsmedizinische Möglichkeiten. Sonst entstehe der Eindruck, "dass wir Menschen uns in der Fortpflanzung dem technologischen Fortschritt zu unterwerfen haben. Besonders Frauen, die mit schwierigen Fragen alleingelassen werden, spüren den Druck, alles, was machbar ist, auch umzusetzen."